England

Klopp nimmt Hummels zum Vorbild

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München – Seit vier Monaten ist Jürgen Klopp Trainer beim FC Liverpool. Mit der WAZ sprach der ehemalige BVB-Coach über seinen neuen Klub, den Hype um seine Person und Parallelen zum BVB.

„Wieder in richtige Bahnen lenken“

Liverpool sei ein „ganz, ganz großer Klub, der große, große Erfolg gefeiert hat“, sagte Klopp über seinen neuen Verein und erklärte: „Das einzige Problem ist, dass die ganz großen Erfolge schon ein bisschen zurückliegen. Und wenn die Gegenwart der Geschichte nicht gerecht wird, dann entsteht eine gewisse Unruhe.“ Es gebe Gründe, warum der Erfolg in den letzten Jahren ausgeblieben ist. „Wir sind gerade dabei, dass wieder in die richtige Bahn zu lenken“, beschrieb er die Arbeit seines Trainerteams.

Klopp fordert Geduld

Der 48-Jährige forderte Geduld ein. „Es ist also nicht so, dass man automatisch mit zwei, drei richtigen Entscheidungen an allen vorbeizieht“, sagte Klopp. Er habe aber das Gefühl, dass trotz des Hungers auf Erfolg alle rund um den Verein bereit seien, die nötige Zeit zu investieren. Er fühle sich beim FC Liverpool pudelwohl, auch weil es ein spezieller Verein sei. „Es ist eine Herausforderung und ein Abenteuer“, meinte Klopp.

Großer Respekt der Fans

Die Mentalität gefällt dem gebürtigen Stuttgarter besonders gut. „Du kannst in Liverpool nichts werden als Spieler, wenn du kein anständiger Mensch bist. Das ist hier ganz wichtig. Fußball ist wahnsinnig wichtig, aber die Fans wollen dich als Gesamtpaket“, sagte er und ergänzte: „Entweder du bist es von vornherein oder du wirst dazu gemacht: demütig gegenüber dem, was du hier erleben darfst. Und wenn man sieht, wer sich alles so meldet, wenn wir Spiele gewinnen, dann siehst du: Die Verbundenheit endet nicht mit Ablauf des Vertrages.“ Dafür seien hauptsächlich die Leute in der Stadt verantwortlich, weil sie jedem das Gefühl vermitteln, dass er unglaublich respektiert wird.

Umstellung durch Terminplan

Ein Umstellung für den Erfolgstrainer bedeutete der volle Terminplan in England. „Die vielen Spiele verändern den Job natürlich, denn normalerweise trainiert man als Trainer“, sagte Klopp, der ausführte: „Hier ist es so, dass wir nach den Spielen Regeneration machen, einen Tag danach erweiterte Regeneration und dann ist das nächste Spiel. Das ist eine Herausforderung.“

„Wir wollten einen großen Verein“

Beim Amtsantritt des neuen Trainers herrschte in Liverpool Ausnahmezustand. Vom Kult um seine Person hält der ehemalige BVB-Coach wenig. Man habe sich dem aber zu Beginn stellen müssen. „So ein Hype erhöht natürlich auch die Erwartungen“, sagte Klopp der WAZ. Er und sein Team hätten auch einfachere Aufgaben annehmen können. „Aber das stand für uns nicht zur Debatte. Wir wollten den Reiz. Einen großen Verein und dazu die Aufgabe, etwas verändern zu müssen und zu können“, erklärte er ihre Motivation. Der anfängliche Hype habe sich mittlerweile gelegt, er könne nun auch mit seinem Hund spazieren gehen, ohne das ein Paparazzi neben ihm läuft.

Hummels` Einstellung als Vorbild

Zwischen seinem Ex-Klub und dem FC Liverpool sieht der 48-Jährige viele Parallelen. „Beide Vereine haben fantastische Möglichkeiten. Damit meine ich nicht die finanziellen Möglichkeiten, sondern die Strahlkraft“, sagte Klopp. Das finde er wichtig. Denn es gebe neben den Spielern, die wegen des Gehalts wechseln auch andere. „Mats Hummels hat mal gesagt: ‚Ich werde lieber mit Dortmund ein- oder zweimal Meister als mit einem anderen Klub zum 25. Mal‘. Das hier hinzubekommen und aufzubauen, das ist der ganz, ganz große Reiz. Da sind sich beide Vereine sehr, sehr ähnlich“, erklärte Klopp.

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