Interview am Morgen

Lex: „Bei Hasenhüttl sind auch Fehler erlaubt“

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München – Vom Amateur zum Vollprofi: Vor zwei Jahren spielte Stefan Lex noch für den TSV Buchbach und die Amateure von Greuther Fürth in der vierten Liga. Heute stürmt der 26-Jährige für den FC Ingolstadt 04 in der Bundesliga. Im Interview mit fussball.news spricht Lex über seinen rasanten Aufstieg als Fußballprofi, den Anteil seines Trainers Ralph Hasenhüttl am Erfolg und lustige deutsch-österreichische Sprachbarrieren in der Umkleide.

fussball.news: Herr Lex, Sie leben in Eitting, einer Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Erding. Hier sind Sie auch aufgewachsen. Zu Ihrem Arbeitsplatz nach Ingolstadt sind es gerade mal 50 Minuten Fahrtzeit. Wirkt es auf Sie positiv, dass Sie in Ihrer gewohnten Umgebung mit Freunden und Familie leben können?

Lex: Absolut positiv! Nach meiner Zeit in Fürth (Anm. Saison 2013/14) lebe ich jetzt wieder in meinem gewohnten Umfeld. Es ist einfach etwas anderes für mich, am Abend daheim zu sein und dann auch etwas mit den Kumpels machen zu können.

fussball.news: Bayern Münchens Thomas Müller wurde zuletzt zitiert, er wolle in seiner freien Zeit nichts mit dem Fußball zu tun haben. Wie sieht das bei Ihnen aus, wie gestalten Sie ihre Freizeit?

Lex: Dadurch, dass ich viele Freunde in Eitting habe, schaue ich dort auch oft bei ihren Fußball-Spielen zu. Wenn ich mal nicht auf den Fußballplätzen im Landkreis zu finden bin, mache ich aber auch nichts Außergewöhnliches. Ich treffe mich gerne mit meinen Kumpels und ehemaligen Studienkollegen, spiele dort dann auch wie andere mal Playstation und freue mich, gemeinsam mit ihnen Zeit zu verbringen.

fussball.news: Mit Florian Niederlechner vom FSV Mainz, 1860-München-Keeper Vitus Eicher und Heidenheims Andreas Voglsamer sowie Ihnen spielen gleich vier Spieler aus Erding und Umgebung in den beiden Bundesligen. Gibt es dabei auch Kontakt untereinander?

Lex: Natürlich gibt es gerade vor den Spielen immer wieder Austausch untereinander. Vor allem mit Flo Niederlechner schreibe ich immer wieder. Mit dem Wissen woher die jeweiligen Spieler kommen, verfolge ich natürlich ihre Spiele regelmäßig.

Eindrücke der Aufstiegsfeier des FC Ingolstadt im Youtube-Video, einfach Play-Button drücken

fussball.news: Sie haben einen rasanten Aufstieg vollzogen: von der Regionalliga beim TSV Buchbach und über die Station Fürth bis in die 2. Bundesliga zum FC Ingolstadt inklusive nun dem Aufstieg ins Oberhaus. Wie kann man sich den großen Sprung in die höchste deutsche Spielklasse vorstellen?

Lex: Als ich beim TSV Buchbach in der Regionalliga gespielt habe, da hatten wir dreimal Training und konnten, wenn wir Lust hatten, auch den Kraftraum benutzen. Hier in Ingolstadt ist dein ganzer Tagesablauf auf den Fußball ausgerichtet, oft haben wir auch zwei Trainingseinheiten am Tag. Es ist eine 180-Grad-Drehung im Vergleich zu meinen vorherigen Stationen. Trainieren wir nicht, geht es zu den Physios oder in den Kraftraum.

fussball.news: Inwieweit hat sich das auf ihre sportliche Entwicklung ausgewirkt?

Lex: Es war natürlich eine enorme Umstellung für mich und meinen Körper. An die sehr schnelle Spielweise musste ich mich erst einmal gewöhnen. Doch mit der Zeit habe ich mich immer besser dem hohen Spieltempo angepasst und auch der Körper macht es immer besser mit.

fussball.news: Welchen Anteil an Ihrer positiven Entwicklung besitzt Trainer Ralph Hasenhüttl?

Lex: Einen enorm großen Anteil. Er gab mir nach meinem Wechsel von Fürth nach Ingolstadt (Anm. Winterpause 2013/14) meine erste Chance, mich im Profibereich zu zeigen. Imponiert hat mir dabei vor allem, dass er mir auch nach schlechten Spielen Vertrauen schenkte und mich weiter eingesetzt hat. Bei ihm sind auch mal Fehler erlaubt. Was ich noch an ihm schätze: Er will, bevor er dir deine Schwächen aufzeigt, erst deine Stärken weiter verbessern.

Umfrage: Gelingt Ingolstadt der Klassenerhalt in der Bundesliga?

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fussball.news: Welches Verhältnis pflegt die Mannschaft zu Co-Trainer Michael Henke, der bereits zwei Mal die Champions League gewonnen hat?

Lex: Bei Michael Henke ist es einfach beeindruckend, wenn man weiß, welche großen Erfolge er schon feiern konnte. Bei Autogrammstunden habe ich zum Beispiel gemerkt, wie groß der Unterschied noch ist. Während bei mir unter anderem der Regionalligaaufstieg als Erfolg aufgezählt wird, steht bei unserem Co-Trainer der zweifache Königsklassengewinn. Trotz seiner Erfolge ist er sehr nahbar und umgänglich. Er arbeitet dazu immer akribisch und will Dir weiterhelfen. Er hat zu uns Spielern einen tollen Draht.

fussball.news: Und wie würden Sie das Verhältnis mit dem anderen Champions-League-Sieger des FC Ingolstadt, Sportdirektor Thomas Linke, umschreiben?

Lex: Thomas Linke habe ich einiges zu verdanken, denn er war mein erster Ansprechpartner vor meinem Wechsel zum FCI. Nachdem er mich öfter beobachtet hatte, gab er mir das Gefühl, mich unbedingt haben zu wollen und wir hatten ständigen Austausch. Er ist nah bei der Mannschaft, er geht auf die Spieler zu und gibt uns viel Zuspruch.

fussball.news: Kommen wir zu Ihren Mannschaftskollegen. Neben ihrem Trainer gibt es mit Lukas Hinterseer, Markus Suttner sowie Ramazan Özcan drei weitere Österreicher beim FCI. Bedingt durch das bayerische und österreichische Temperament: Necken Sie sich im Training auch ab und zu?

Lex: Dadurch, dass wir untereinander und auch mit unseren oberbayerischen Physios häufiger bayerisch reden, werden wir oft nicht verstanden. Das führt dann immer wieder dazu, dass es Späße über unseren Dialekt gibt. Wir können aber dann alle darüber lachen. Das zeichnet auch unser gutes Klima im Team aus. Späße sind immer erlaubt, solange danach wieder Disziplin herrscht.

Rollentausch: Stefan Lex lernt die Arbeit als Feuerwehrmann kennen, zu sehen im Youtube-Video:

fussball.news: Apropos Team: Was zeichnet Sie und ihre Mannschaft aus?

Lex: Wir haben in dieser Saison schon des Öfteren gezeigt, dass wir mit unserer mannschaftlichen Geschlossenheit die Punkte oft häufiger verdient haben, als der Gegner. Wir wissen, dass wir immer ans Maximum und zusammen in eine Richtung gehen müssen. Uns ist dabei auch klar, dass so ein Ergebnis wie gegen Hannover (Anm. 0:4), einem direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt, auch passieren kann. Das wirft uns aber nicht aus der Bahn.

fussball.news: Welche Ziele will der FC Ingolstadt damit in dieser Saison erreichen?

Lex: In diesem Jahr mit aller Macht den Klassenerhalt! Generell ist es wichtig, von Spiel zu Spiel zu schauen. Wir wissen, dass wir bis jetzt eine gute Punkteausbeute haben, dabei ist uns aber auch klar, dass wir jeden bisherigen und auch kommenden Punkt uns hart erarbeiten müssen.

fussball.news: Und welche Ziele haben Sie sich persönlich für die Zukunft gesetzt?

Lex: Es ist schwierig im Fußballgeschäft, längerfristig seine Zukunft zu planen. Ich weiß, dass so schnell der Weg für mich nach oben gegangen ist, er auch wieder nach unten gehen kann. Für mich ist es erst einmal wichtig, dass ich jetzt wieder gesund werde (Anm. Zerrung) – und es dann auch bleibe. Eines Tages, am Ende meiner aktiven Karriere, möchte ich einfach zufrieden auf das Geleistete zurückschauen können und so viele Bundesligaspiele wie möglich absolviert haben.

fussball.news: Wie ist es eigentlich für Sie, fast immer in ausverkauften und großen Stadien zu spielen?

Lex: Am Anfang war ich schon nervös, vor einer solch großen Kulisse zu spielen. Ich habe mich aber mittlerweile daran gewöhnt und es herrscht nun immer eine positive Anspannung vor den Spielen. Ich habe zwar schon in der Allianz Arena gegen 1860 gespielt, sich nun mit den Bayern zu messen, ist aber natürlich nochmal etwas ganz anderes. Aber überhaupt ist jede Partie in der Bundesliga ein absolutes Highlight und Erlebnis für mich.

fussball.news: Ein letzte Frage zum Abschluss: Mit welchem Ziel fahren Sie am kommenden Wochenende zum FC Bayern München?

Lex: Uns ist klar, dass wir wahrscheinlich auf einen übermächtigen Gegner treffen werden. Trotzdem fahren wir nicht dorthin, um die Punkte herzuschenken.

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Anmerkung der Redaktion: fussball.news veröffentlicht von Montag bis Donnerstag jeweils um 6 Uhr das „Interview am Morgen“. Zu den Gesprächspartnern zählen aktuelle Bundesliga-Spieler ebenso wie ehemalige Spieler-Legenden oder Funktionäre und Experten. Bei Bedarf wird das in der Regel exklusive Gespräch in einen Fließtext mit exklusiven Zitaten umgewandelt.

Über Sebastian Voichtleitner

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