England

Lob und Tadel für Schweinsteiger

am

München – Es wirkt, als führen die Autoren der Sport-Bild  mit Bastian Schweinsteiger seit Jahren eine  Dauerfehde, vieles unter dem Deckmantel sportlicher Kritik.

Einst als „Chefchen“ verspottet

Einst verspottete die Sport-Bild Schweinsteiger als „Chefchen“, weil er eben keine Führungspersönlichkeit sei und in entscheidenden Spielen sein Team nicht zum Sieg führe. Zwischendrin folgten kurze Entschuldigungen, dann wieder große Attacken. Diesen Mittwoch fuhr das Magazin wieder Geschütze auf: Schweinsteiger sei – wie derzeit auch (Knieprobleme) – häufig verletzt, nicht fit, deshalb kein Führungsspieler und bringe als Kapitän die Nationalelf nicht weiter. Zudem reise er privat viel mit seiner Freundin, die Tennis-Profi ist. Auch dies seien womöglich Strapazen, die Schweinsteigers Genesungsprozess negativ beeinflussen könnten, obwohl er als Kapitän der Nationalelf dringend mit voller Kraft gebraucht werde.

„Tatsächlich sieht man Schweinsteiger mittlerweile öfter auf roten Teppichen oder in Werbespots als mit Glanzleistungen auf dem Platz. Von den 71 Länderspielen seit der WM 2010 hat er nur 33 bestritten –
von den 15 seit dem WM-Titel 2014, nachdem er die Kapitänsbinde von Philipp Lahm übernahm, sogar gerade mal sechs“, schreibt das Magazin polemisch. Hinzu geholt wurden einige Interview-Partner, die die Einschätzung der Autoren teilen.

Kahn über Schweinsteiger-Leistung skeptisch

Als Frontmann diente Welt-Torhüter Oliver Kahn, der ansonsten jedoch ein inniges Verhältnis zu Schweinsteiger pflegen soll. Kahn erklärte: „Es geht darum, ob Bastian auf höchstem Niveau bestehen kann. Er muss 100 Prozent für den Sport geben, es darf keine Ablenkungen geben. Er muss für sich beantworten, ob das möglich ist. Bastian hat das Bestreben, Europameister zu werden. Aber klar ist: Wenn Bastian eine tragende Rolle spielen will, muss er schnell in die Gänge kommen.“

Schweinsteiger bestritt bei Manchester United 27 Pflchtspiele, allerdings nur elf Partien über 90 Minuten. Auch Trainer Louis van Gaal kanzelte ihn  – „Habe mehr von ihm erwartet“ – bereits öffentlich ab. So sehen auch die 1990-Weltmeister Lothar Matthäus und Andreas Brehme Schweinsteiger offenbar kritisch. Für Matthäus ist Schweinsteiger nur noch die Nummer vier im Mittelfeld – siehe extra Bericht:

Andreas Brehme wiederum sagte über Schweinsteiger: „Er weiß selbst, dass er mehr bringen muss und an seinen großen Leistungen gemessen wird.“

Bierhoff und Löw halten zu Schweinsteiger

Schützend seine Hand über Schweinsteiger hält Oliver Bierhoff. Der Teammanager der Nationalmannschaft empfindet beispielsweise die Kritik von Manchester-Trainer Louis van Gaal an seinem Schützling ungeeignet.  „Jeder Spieler braucht die Rückendeckung des Trainers, das gilt auch für Bastian. Generell finde ich es unglücklich, wenn Trainer ihre Spieler öffentlich so hart kritisieren.“ Bierhoff ergänzte in der Sport-Bild: „Ich bin aber überzeugt, dass er nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub fit ist, Fuß fasst und auf Touren kommt.“

Und auch Bundestrainer Joachim Löw sicherte Schweinsteiger Unterstützung zu: „Ich stehe in ständigem Austausch mit Bastian. Die aktuelle Verletzung macht mir keine Sorgen. Generell ist es gut, wenn Spieler ihre Verletzungen komplett auskurieren. Oft besteht das Risiko von Folgeverletzungen ja darin, dass Spieler zu früh wieder zurückkehren. Ich weiß, dass Bastians absoluter Fokus die EM ist, und ich habe vollstes Vertrauen, dass er sich gründlich vorbereiten und alles dafür tun wird. Wir planen mit ihm.“

Über Daniel Michel

Diesen Beitrag kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.