Interview am Morgen

Maik Franz: „Lieber ein Image als gar kein Image“

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München – Maik Franz galt jahrelang als das Raubein im deutschen Profifußball. Seine Gegenspieler hatten allesamt großen Respekt vor dem resoluten Abwehrspieler. Auf dem Platz galt er als „Mr. Eisenfuß“, als „Iron Maik“, abseits des Rasens war er ein echter Kumpeltyp. Er spielte für den 1. FC Magdeburg, VfL Wolfsburg, Karlsruher SC, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC. Im Januar 2015 verkündete Franz sein Karriereende wegen anhaltender Kniebeschwerden – nach 15 Jahren als Profi. Danach nahm er sich ein Jahr Auszeit, um über die Karriere nach der Karriere nachzudenken.

Mit Erfolg, denn seit Anfang des Jahres hat der gebürtige Merseburger einen neuen Job. Franz wird Drittligist 1. FC Magdeburg als Assistent der Geschäftsführung schwerpunktmäßig im sportlichen Bereich unterstützen. Der 34-Jährige arbeitet im Rahmen seines dualen Studiums „Sportmanagement“ an der Elbe. Er kehrt also zu seinen Wurzeln zurück, spielte er doch schon von 1998 bis 2001 zu Beginn seiner aktiven Zeit für den FCM.

Im Interview mit fussball.news spricht Franz nun über seine neue Aufgabe, seinen Ruf, seine Karriere – und den Aufschwung bei seinem Ex-Klub Hertha BSC.

fussball.news: Sie hatten in Ihrer Karriere den Ruf weg, „Mr. Eisenfuß“ zu sein. War das schlimm für Sie?

Franz: Schlimm fand ich das überhaupt nicht. Wenn alle Stürmer sagen ‘mein Lieblings-Gegenspieler war immer dieser Maik Franz‘, dann wäre das katastrophal gewesen. So aber habe ich dieses Image des harten Kerls und das ist absolut okay für mich. Lieber ein Image als gar kein Image. Wichtig ist dabei aber, dass es sich die Waage hält, das heißt, dass die einen sagen ‘mit dem können wir uns identifizieren‘ und die andere Seite sagt ‘bleib‘ mir weg mit dem‘, dann ist das doch gut so. Wenn aber alle ein Problem mit mir gehabt hätten, dann hätte ich mich hinterfragen müssen. In der Summe bin ich aber zufrieden damit, was ich aus meinen Möglichkeiten gemacht habe. Ich bin stolz darauf.

fussball.news: Gab es eigentlich einen Lieblingsspieler in all den Jahren?

Franz: (überlegt etwas) Mir hat es immer mehr Spaß gemacht gegen die großen Stürmer zu spielen als gegen die kleinen, wuseligen. Spieler, die von der Körperstatur auf gleicher Höhe waren wie ein Jan Koller, haben mich mehr gefordert. Ich hatte auch einige Vereine, gegen die ich gerne gespielt habe wie den Hamburger SV oder den 1. FC Köln, wo man ein gutes Gefühl hatte, wenn man schon das Stadion betrat. Das waren immer coole Spiele.

Maik Franz im Interview über die Noten-Vergabe beim Manager-Spiel Comunio – jetzt im Youtube-Video:

fussball.news: Mario Gomez gehört sicher nicht zu Ihren Lieblings-Gegenspielern. Gab es mit ihm jemals eine Aussprache?

Franz: Nein. Wir sind uns mal in Berlin über den Weg gelaufen und haben uns kurz gegrüßt. Das ist aber schon Jahre her. Alle, die ich kenne, sagen, dass Mario ein super Typ sein soll. Ich denke, dass das auch so sein wird. (lacht) Über mich sagen bestimmt auch einige, dass ich auf dem Platz ein Rüpel, aber außerhalb völlig okay war. Von daher ist das längst vergessen.

fussball.news: Ihr letzter Verein vor dem Karriereende war Hertha BSC. Das Ende war nicht so schön. Was sagen Sie dazu, dass die „Alte Dame“ die Überraschung der Hinrunde war?

Franz: Ich finde es super. Natürlich war mein Abschied nicht optimal, aber wir sind nicht im Bösen auseinander gegangen. Ich freue mich für Hertha. Mit Fabian Lustenberger habe ich noch regelmäßigen Kontakt und ich freue mich natürlich über den Erfolg von „Lusti“ und dem ganzen Team. Die Truppe spielt einen tollen Fußball und Pal Dardai (Hertha-Coach, d. Red.) macht einen super Job. Als Team machen sie es überragend. Es ist beeindruckend, mit welchem Selbstbewusstsein und mit welcher Konstanz die Mannschaft funktioniert. Ich wohne weiterhin in Berlin und viele meiner Freunde sind Hertha-Fans. Manchmal läuft nicht alles reibungslos wie bei meinem Abschied, aber auch daran reifst du als Spieler. Gerade die negativen Momente machen dich stärker. Wenn es als Profi immer glatt läuft, ist es schön, aber wenn dann ein Problem aufkommt, hast du damit mehr zu kämpfen. Es hilft dir für das spätere Leben, wenn du auch mal eine reinkriegst und wieder aufstehst.

fussball.news: Letzte Frage: Bei welchem Verein hatten Sie Ihre schönste Zeit?

Franz: Alle Stationen hatten etwas für sich. In Magdeburg bekam ich die Chance, Profi zu werden, dafür bin ich Ihnen heute noch dankbar. Beim VfL Wolfsburg konnte ich Profifußball spielen, in einer Zeit, als der Klub gerade anfing richtig Geld in die Hand zu nehmen. Und ich habe beim VfL mit Spielern zusammen gespielt, die eine super Qualität hatten. Sportlich lief es bei Hertha gar nicht gut für mich, weil ich oft verletzt war. Die beste Zeit hatte ich sportlich und emotional beim Karlsruher SC. Da bin ich zum gestandenen Bundesliga-Spieler geworden. Ich durfte beim KSC die Kapitänsbinde tragen, zudem hatte ich ein grandioses Verhältnis zu den Fans. In Frankfurt lief es auch top. Die Eintracht ist ein toller Traditionsverein mit klasse Fans. Ich habe bei großartigen Vereinen gespielt und bin einfach happy.

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Anmerkung der Redaktion: fussball.news veröffentlicht von Montag bis Donnerstag jeweils um 6 Uhr das „Interview am Morgen“. Zu den Gesprächspartnern zählen aktuelle Bundesliga-Spieler ebenso wie ehemalige Spieler-Legenden oder Funktionäre und Experten. Bei Bedarf wird das in der Regel exklusive Gespräch in einen Fließtext mit exklusiven Zitaten umgewandelt.

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