Schmidt: Zu viel Druck für Traditionsklubs

München – Der FSV Mainz 05 hat unter extremen Bedingungen ein kurzes Trainingslager in den Schweizer Bergen abgehalten. Trainer Martin Schmidt erklärte nun die Intention seiner „Impulstage“ und sprach im Interview mit der Bild-Zeitung über sein Erfolgsgeheimnis.

Martin Schmidt befindet sich auf Europacup-Kurs mit dem FSV Mainz. Foto: Getty Images
Martin Schmidt befindet sich auf Europacup-Kurs mit dem FSV Mainz. Foto: Getty Images

Extreme Bedingungen

Während sich Teams wie Schalke 04 (USA) oder der FC Bayern (Katar) in sonnige Gefilde begeben haben, mussten die Mainzer Spieler zunächst Temperaturen von minus zehn Grad auf 2700 Meter Höhe in den Schweizer Bergen aushalten. Bedingungen, die Trainer Martin Schmidt bewusst ausgewählt hatte. „Das Programm war heftig, ja. Auch mit der komfortlosen Anreise per Zug und Postbus, dazu die zwei anstrengenden Schneeschuh-Aufstiege. Aber ich wollte die Spieler an ihre Grenzen bringen, ihnen beibringen, dass man zusammen Widerstände überwinden, Grenzen überschreiten kann. Alle haben voll mitgezogen, es wurde nicht rumgemosert – toll!“, erklärte der FSV-Coach der Bild-Zeitung.

Abstiegskampf war für Schmidt einfacher

Der Schweizer ist nun seit zehn Monaten Chef-Coach beim FSV, seine Anfangszeit im Abstiegskampf empfand er offenbar leichter, als das Team nun in die neue Saison zu führen. „Als ich anfing, gab’s das Ziel, in der Liga zu bleiben. Da war der gröbste Druck Ende April auch schon weg!“, sagte Schmidt und ergänzte: „Nach der Sommerpause ging’s aber mit eigenem Kader, eigenen Ideen in die Saison. Dann überlegst du Dir, dass du 40 Punkte brauchst – und das ist dann schon ein großer Berg. Unterm Strich: Mittendrin einzusteigen, war für mich einfacher!“

Um die Saison zu meistern, denke er stets in kleinen Schritten. „Wenn du zum Saisonstart denkst, du brauchst 13 Siege für den Klassenerhalt, dann wirkt das eher hemmend. Also, lieber erst mal kleine Ziele stecken“, sagte der 48-Jährige, dessen Philosophie es mit den Mainzer ist, auf Talente zu setzen: „Unser Prinzip ist es, junge, hungrige Spieler zu holen. Charakter-Typen sind wichtig! Jungs, die noch vieles erreichen wollen. Das ergibt unsere Grundstimmung, dass alle im Team in die gleiche Richtung ziehen!“

Zielvereinbarungen mit Spielern

Mit den Spielern treffe er Zielvereinbarungen, um sich fortzuentwickeln, so Schmidt: „Wir setzen uns bereits im Sommer mit dem Team, aber auch mit einzelnen Spielern zusammen. Wir fragen, was jeder sich vornimmt für die Saison. Wenn ein Spieler, der gerade aus der Zweiten Liga zu uns kommt, sagt, sein Ziel ist es, Torschützenkönig zu werden, dann muss ich ihm sagen, das ist komplett unrealistisch. Er sollte doch erst einmal versuchen, in den Kader zu kommen und regelmäßig zu spielen.“ Schmidt führte aus: „Wir dokumentieren das auch schriftlich. Ein paar Monate später setzen wir uns wieder zusammen und schauen, ob die Ziele erreicht wurden. Wenn ja, setzen wir uns neue Ziele.“

Druck als Last für die großen Traditionsklubs

Derzeit rangiert Mainz auf Platz acht in der Tabelle der Bundesliga, nur drei Punkte Rückstand sind es auf Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation berechtigt. Dass vermeintlich kleinere Klubs wie Mainz, der SC Freiburg oder der FC Augsburg mit kleinem Budget oftmals mehr Erfolg haben, als manch bekannter Traditionsklub, erklärt sich Schmidt vor allem mit der unterschiedlich hohen Erwartungshaltung an die Vereine. „Vielleicht, weil uns bewusst ist, dass wir aus weniger mehr machen müssen. Vielleicht, weil wir einen besonderen Geist erzeugen. Aber bestimmt auch, weil wir ruhiger arbeiten können. Bei den großen Klubs kann der Druck der Tradition oft auch zur Last werden.“

Derzeit haben die Mainzer nun auch wieder ein gewöhnliches Trainingslager im spanischen Marbella aufgeschlagen.

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