Mangelnde „Opferbereitschaft“ – und sechs weitere Probleme beim FC Bayern

München – Nach dem 1:1 gegen Schalke 04 beklagte Bayern-Trainer Carlo Ancelotti die mangelnde „Opferbereitschaft“ seiner Spieler. Und wenn der Italiener, der sonst seinen Spielern viele Freiheiten erlaubt, etwas gar nicht mag, ist es, übersetzt, fehlender Einsatzwille. Doch die Münchner müssen vor den englischen Wochen noch mehr Probleme in den Griff bekommen.

Douglas Costa (r.) will offenbar Bayern München verlassen, weil er keinen Stammplatz besitzt. Foto: Lennart Preiss/Bongarts/Getty Images

„Wenn wir weiter so agieren wie in den letzten Wochen, sind wir ganz schnell in mehreren Wettbewerben raus“, warnte Bayern-Kapitän Philipp Lahm seine Kollegen. Doch wo müssen die Bayern ansetzen?

Baustelle Nummer eins: Thomas Müller

Der Stürmer traf auch gegen Schalke nicht. Viele Experten betonen seit Herbst 2016, Müller komme aus seiner Tor-Krise wieder heraus. Nun ist eher anzunehmen, dass es eine komplette Krisen-Saison wird. Ein Knackpunkt: Ex-Trainer Pep Guardiola hatte seinen Star in Top-Spielen immer wieder auf die Bank degradiert, im Champions-League-Halbfinale 2016 vergab Müller dann den Strafstoß gegen Atletico, der wohl das Tor zum Finale bedeutet hätte. Ein Kopf-Problem bei Müller, das auch Anceloti nicht lösen kann.

Baustelle Nummer zwei: verletzte Stars

Einige Stars der Münchner sind chronisch verletzt und seit zwei, drei Jahren öfter beim Arzt als auf dem Platz vorzufinden. Jerome Boateng, Franck Ribery und Arjen Robben zählen zu dieser Gruppe. Es ist schwer, so eine bis ins Detail gefestigte Mannschaft zu formen. Im Mittelfeld fallen Arturo Vidal und Thiago immer wieder kurz aus, die eigentlich zwei absolute Leistungsträger sind.

Baustelle Nummer drei: unzufriedene Stars

Douglas Costa sagte der BamS, er wolle Bayern München verlassen. Er sagte auch ziemlich deutlich, warum er gehen wolle: Weil er kein Stammspieler sei. Vor allem Flügelspieler wie Costa und Kingsley Coman müssen ständig lässen, dass sie nicht gut genug als Ersatz für Ribery und Robben seien. Von der Vereinsführung kommt öffentlich selten Unterstützung. Top-Atmosphäre im Kader kann dabei nicht aufkommen.

Baustelle Nummer vier: Philipp Lahm

Der Kapitän hat mehrfach angedeutet, schon 2017 seine Karriere beenden zu können – aber es sei noch alles offen. Ein Kapitän auf dem Absprung – oder vielleicht doch nicht. Eine gefühlsmäßige Unsicherheit, die dem Team keine Sicherheit verleiht.

Baustelle Nummer fünf: keine stabile Spiel-Struktur

„Es fehlen uns die Sachen, die uns ausgezeichnet haben: dieses selbstbewusste Passspiel, den Ball mit Tempo und einer guten Konzentration zirkulieren lassen und damit den Gegner so in Bedrängnis bringen, dass er die Ordnung verliert und wir Chancen bekommen“, sagte Torwart Manuel Neuer laut kicker nach der Partie gegen Schalke.

Baustelle Nummer sechs: Talente in der Krise

Wenn bei Bayern München arrivierte Stars keine Leistung brachten, war dies oftmals die Chance für Talente, sich im Kader der Roten zu etablieren. Doch aus der eigenen Jugend kommt seit Jahren nichts an Verstärkung nach – und selbst die teuer hinzugekauften haben in München einen schweren Stand. Renato Sanches etwa ist beim FC Bayern außen vor.

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