Interview am Morgen

Meier: „Die BVB-Zeit schmerzt noch immer“

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München – Michael Meier blickt mit gemischten Gefühlen zurück. Der ehemalige Manager des 1. FC Köln, von Bayer Leverkusen und von Borussia Dortmund hat aufregende Jahre im harten Bundesliga-Geschäft erlebt.

Meier wird heute mit sportlichen Erfolgen, aber auch mit der ernsten Finanzkrise von Borussia Dortmund nach der Jahrtausendwende in Verbindung gebracht. Allen voran zählen der Champions-League-Sieg 1997 mit dem BVB sowie drei gewonnene Meistertitel (1995, 1996 und 2002) zu seinen größten Erfolgen. Doch auch bei Bayer Leverkusen (UEFA-Pokalsieg 1988, der größte Erfolg der Vereinsgeschichte) und dem 1. FC Köln (DFB-Pokalsieg 1983, der letzte große Titel des FC) sammelte er Titel. Bereits 1992 und 1993 wurde er zudem vom kicker als „Manager des Jahres“ ausgezeichnet. Im Oktober 2000 wagte Meier ein Novum im deutschen Fußball: Als damaliger BVB-Geschäftsführer führte er zusammen mit dem einstigen Präsidenten Gerd Niebaum den Klub als ersten deutschen Profiverein an die Börse.

Der Erfolg in Dortmund hatte jedoch am Ende auch seine Schattenseite. Aufgrund von Managementfehlern, die beinahe zur Insolvenz der „Schwarz-Gelben“ geführt hätten, wurde Meier 2005 – nach 16 Jahren im Amt – nicht mehr weiterbeschäftigt. Als Geschäftsführer Sport übernahm er bald darauf nochmals das Amt beim 1. FC Köln für die Dauer von fünf Jahren. Nach dem steinigen Weg durch die Zweite Liga glückte Köln 2008 die Rückkehr in die Bundesliga.

Seit rund fünf Jahren hat sich Meier nun aus der Fußballszene zurückgezogen. Und ist glücklich und erfolgreich. Der 66-Jährige ist seit einiger Zeit im Bereich Personal-Coaching und Beratung tätig. Sein Netzwerk nutzt Meier, um „besonderen Persönlichkeiten“ bei der Karriereplanung zu helfen. So geschehen im Oktober 2015, als er Stefan Effenberg half, Trainer bei Zweitligist SC Paderborn zu werden.

Im Interview mit fussball.news spricht Meier über seine Karriere und die Entwicklung im Fußball.

fussball.news: Wie beurteilen Sie die Entwicklung im deutschen Fußball?

Meier: Die Entwicklung des deutschen Fußballs beeindruckt mich immer wieder. Die Bundesliga verbessert sich Jahr für Jahr und ist für mich die professionellste Liga der Welt. Diese Entwicklung fördert gleichzeitig die Erfolgswahrscheinlichkeit der deutschen Nationalmannschaft, da diese auf eine starke Bundesliga angewiesen ist.

fussball.news: Wie sehen Sie Jungprofis? Werden Sie zu schnell in den Olymp gelobt?

Meier: Das denke ich nicht. Ich stelle mir die Frage, ob die Erwartungen an die Jungprofis in manchen Fällen nicht zu überhöht sind. Man muss den Jungen auch Zeit für eine entsprechende Entwicklung geben. Und man muss diese jungen Spieler begleiten, damit sie mit den Annehmlichkeiten als Fußball-Profi auch entsprechend lernen umzugehen lernen.

fussball.news: Fürths Präsident Helmut Hack meinte jetzt, dass die Jungstars erst den nächsten kleinen Schritt gehen sollten, bevor sie den Schritt zu schnell zum FC Bayern wagen.

Meier: Das kann nur im Einzelfall betrachtet werden. Der Schritt vom Nachwuchsspieler zum Profi ist natürlich beim FC Bayern schwieriger als bei jedem anderen Bundesligisten. Wichtig ist, dass ein junger Spieler Einsatzzeiten aus dem jeweilig entsprechend höchsten Niveau erhält. Diese Politik gab und gibt es auch beim FC Bayern, die vor einigen Jahren den jungen David Alaba nach Hoffenheim ausgeliehen hatten, was den Spieler merklich nach vorne gebracht hat.

fussball.news: Fehlt es in der Fußballbranche an Authentizität und sind die Profis heutzutage nur noch Marionetten ihrer Berater und der Pressesprecher?

Meier: Auch heute sehe ich echte Kerle im Fußball, die beeindruckende Charaktere mitbringen. Es gab auch früher schon Spieler, die ruhig und zurückhaltend waren und Spieler, die sich von den Beratern steuern ließen. Alles in allem sehe ich die heutige Spielergeneration sehr positiv.

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Das nächste Interview am Morgen folgt voraussichtlich am Dienstag um 7 Uhr. Dann zu Gast Toni Polster.

Anmerkung der Redaktion: fussball.news veröffentlicht in der Regel von Montag bis Donnerstag jeweils um 6 Uhr das „Interview am Morgen“. Zu den Gesprächspartnern zählen aktuelle Bundesliga-Spieler ebenso wie ehemalige Spieler-Legenden oder Funktionäre und Experten. Bei Bedarf wird das exklusive Gespräch in einen Fließtext mit exklusiven Zitaten umgewandelt.

Über Reinhard Franke

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