Nach Toprak-Abgang und womöglich ohne Europacup: Fällt Leverkusen auseinander?

München – Bei Bayer Leverkusen geht es vermeintlich ruhig zu, mit sechs Punkten Rückstand auf die Europacup-Plätze wirkt noch alles möglich bei den „Rückrunden-Crashern“ aus 2015/16. Gelegentlich gerät Trainer Roger Schmidt in die Kritik, doch Sportchef Rudi Völler hält über seinen Coach schützend die Hand. Nun hat Verteidiger und Führungsspieler Ömer Toprak seinen Abschied aus Leverkusen verkündet – Bayer wirkt weiter gelassen, dennoch gibt es einige Gefahren, die der Werkself nun drohen.

Charles Aranguiz hält Ömer Toprak fest – im Sommer ist der Türke dennoch kein Teammitglied mehr. Der BVB ruft. Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Verpasst Bayer die Champions League, womöglich gar die Europa League, ist die Gefahr groß, dass weitere Führungsspieler die Werkself verlassen.

Der Abgang von Ömer Toprak (wohl zum BVB), im Grunde ohne Not, könnte ohnehin Vorbild-Wirkung für andere Top-Spieler haben, vielleicht doch nochmal etwas Neues zu wagen.

Flügelstürmer Karim Bellarabi zählt auch zu den Wunschspielern von Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund. Auch bei ihm muss Leverkusen im Sommer aufpassen, dass ihnen ein Top-Team nicht einen Top-Spieler wegschnappt.

Doch nicht nur Führungsspieler könnten durch die sportliche Talfahrt Leverkusen verlassen, noch mehr stehen die jungen Talente der Bayer-Elf im Fokus. Leverkusen hat Julian Brandt und Benjamin Henrichs zu Nationalspielern geformt – nun soll nicht nur der FC Bayern auf beide Spieler für die linke Außenbahn lauern.

Dann ist da noch Torwart Bernd Leno. Er will in der deutschen Nationalmannschaft aufsteigen, spätestens wenn Manuel Neuer aufhört. Bundes-Torwarttrainer Andreas Köpke soll die Keeper dazu motivieren, Erfahrungen im Ausland zu sammeln – ohne Europacup könnte auch für Leno ein Wechsel wieder Thema werden.

Und: Chicharito ist der bekannteste Spieler von Bayer Leverkusen in der Welt. Ein Grund, warum er vor zwei Jahren zur Werkelf kam, war das regelmäßige Spielen in der Champions League. Dass er selbst formschwach ist, schmälert nicht seinen internationalen Marktwert. Im Sommer könnten wieder internationale Klubs anfragen.

Und Offensivakteur Hakan Calhanoglu wurde im letzten Sommer mit Atletico Madrid in Verbindung gebracht. Auch der Türke dürfte nicht als sichere Bank in Leverkusen gelten, wenn es mit dem Europacup nichts wird.

Vor allem wollen sich die Spieler 2017/18 für ihre Nationalmannschaften empfehlen – ohne Champions League, ohne Europacup sinken die Chancen auf ein Ticket nach Russland. Leverkusen bewahrt noch die Ruhe – beneidenswert bei acht Punkten Rückstand auf Champions-League-Platz vier und sechs Zählern auf Borussia Dortmund und Rang sechs.

Hinzu kommt: Stürmer Stefan Kießling könnte aufgrund von Hüftproblemen im Grunde jeden Tag seine Karriere plötzlich beenden – auch wenn er einen Vertrag bis 2018 besitzt.

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