Özil zu Koscielny: „Wir sind nicht Island“

München – Mesut Özil sieht sich nach seinem Tor gegen Italien von Druck befreit, über seine Elfmeterschwäche wundert er sich und gegen Frankreich sieht er Deutschland in der Favoritenstellung.

BORDEAUX, FRANCE - JULY 02: Mesut Oezil of Germany celebrates scoring the opening goal during the UEFA EURO 2016 quarter final match between Germany and Italy at Stade Matmut Atlantique on July 2, 2016 in Bordeaux, France. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)
Mesut Özil jubelte lautstark nach seinem Führungstreffer im Viertelfinale gegen Italien. Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Özil: Frankreich will Revanche

„Natürlich fehlen uns mit Sami Khedira, Mario Gomez und Mats Hummels sehr wichtige und gestandene Spieler, die ein überragendes Turnier gespielt haben und mit denen ich auch persönlich super klarkomme. Aber die Vorfreude ist trotzdem sehr groß“, sagte Mesut Özil über das anstehende EM-Halbfinale gegen Frankreich dem kicker und führte aus: „Wegen solcher Spiele wie gegen Italien oder jetzt Frankreich sind wir doch hier bei diesem Turnier. Nachdem die Franzosen vor zwei Jahren bei der WM im Viertelfinale gegen uns verloren haben, werden sie alles daran setzen, uns diesmal zu schlagen.“

Italien-Fluch besiegt

Özil sieht Deutschland in der Breite etwas stärker aufgestellt als die Franzosen: „Wenn man aber das Potenzial der beiden Mannschaften miteinander vergleicht, glaube ich schon, dass wir sie schlagen können. Auch nach den Ausfällen, denn wir haben einen richtig guten Kader. Ich glaube an uns und mache mir keine Gedanken über ein Ausscheiden.“ Der Regisseur ist auch über den Sieg im Viertelfinale gegen Italien froh: „Wir sind Weltmeister, wir sind den Weg bis zum Titel schon einmal gegangen, wir haben eine große Fußball-Nation wie Italien geschlagen und endlich diesen Fluch besiegt.“ Zuvor hatte Deutschland acht Mal bei großen Turnieren gegen Italien den Kürzeren gezogen.

Tor gegen Italien als Befreiung

Der Erfolg nun habe dem Team „noch mal Selbstvertrauen gegeben und uns als Mannschaft zusammengeschweißt“, so Özil, der betonte: „Durch dieses Spiel ist der Glaube gewachsen, in diesem Turnier wirklich alles erreichen zu können.“ In der Partie hatte Özil das 1:0 erzielt – eine Befreiung für ihn. „Ich wollte unbedingt ein Tor erzielen, ich wollte es erzwingen, das war im Kopf drin. Und als ich dann die Lücke gesehen, den Ball von Jonas (Hector) bekommen und das Tor erzielt habe, war das eine riesige Freude. Das gibt mir definitiv noch mal Selbstvertrauen.“

Özil spielt auf seiner Lieblingsposition

Ein Grund, warum es für ihn persönlich gut bei der EM laufe, sei auch die Tatsache, dass er auf seiner Lieblingsposition zum Zug komme: „Bei den vergangenen Turnieren war es ja so, dass ich nicht auf der Zehn gespielt habe, sondern in anderen Rollen für die Mannschaft da war. Bei diesem Turnier spiele ich auf meiner Lieblingsposition. Ich fühle mich frei auf dem Platz, das ist für mich das Wichtigste. Und ich genieße es, dass der Bundestrainer mir vertraut.“

Gute Stimmung im Team

Özil betonte auch die gute Stimmung im Team, die der beim Titelgewinn 2014 ähnlich sei. Auch Spieler, die nicht zum Einsätz kommen, seien gut integriert. Dies liegt aus Sicht von Özil auch daran, dass Bundestrainer Joachim Löw Spieler auch nach Charakter, nicht nur untersportlichen Gesichtspunkten, auswähle.

Scherze mit Arsenal-Kollegen

Beim anstehenden Gegner Frankreich nun spielen mit Laurent Koscielny und Olivier Giroud zwei Teamkollegen von Özil bei Arsenal London mit. Vor dem Duell hat sich das Trio SMS geschrieben. „Wir machen schon noch unsere Späße untereinander“, berichtete Özil und sagte: „Nach dem Viertelfinale habe ich Koscielny eine SMS geschrieben: Wir sind nicht Island.“ Die Isländer hatten Frankreichs Offensive sehr viel Raum im Viertelfinale gelassen und verloren mit 2:5. Wer das Halbfinale gewinne, werde auch als Favorit ins Finale gehen, betonte Özil zudem.

„Frankreich brennt auf EM-Titel“

Über die Stärke und den Turnierverlauf von Frankreich sagte Özil: „Die ersten Spiele waren alle sehr knapp, oft haben sie diese erst am Ende für sich entscheiden. Das Viertelfinale gegen Island war ein souveräner Sieg. Man sieht, dass sie brennen und unbedingt Europameister werden wollen.“

Özil spielt mit weniger Druck

Der 27-Jährige erklärte auch, er sei mit den Jahren erfahrener geworden und mache sich nicht mehr so viel Druck in bestimmten Situationen. „Bei mir war es ja in den Medien und bei den Experten immer so, dass ich von der einen Seite gemocht wurde und von anderen Leuten eben nicht“, führte Özil aus und sagte: „Wenn du dir von den Leuten irgendwelche Urteile einreden lässt, dann nimmst du diese negative Energie mit und es läuft erst recht nicht. Ich hatte glücklicherweise in all den Jahren meine Freunde und meine Familie, die mich wirklich beurteilen konnten und mir die Wahrheit gesagt haben. Das ist das Wichtigste für mich.“

Elfmeter-Schwäche ist für Özil unerklärlich

Seine Schwäche bei Elfmetern – zuletzt vergab Özil gegen die Slowakei und Italien – kann er sich nicht erklären. „Das ist schon eigenartig, warum es ausgerechnet bei Thomas Müller und mir hapert. Eigentlich sind wir beide sichere Schützen, die den Torhüter ausgucken können. Aber das Falscheste wäre, sich darüber negative Gedanken zu machen, das bringt keinem etwas. Abhaken, nach vorn schauen.“

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