Interview am Morgen

Polster: „Ich will Bundesliga-Trainer werden“

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München – Wer kennt in Fankreisen des 1. FC Köln diesen Gute-Laune-Song nicht? „Toni, lass es polstern“, hieß 1997 der Hit der „Fabulösen Thekenschlampen“. Die deutsche Frauenrockband aus Köln präsentierte diese Nummer zusammen mit dem damaligen FC-Stürmer Toni Polster. Und schafften es damit in die Top 30 in Österreich.

Polster war zu seiner Zeit als Fußballprofi nicht nur der Rekordtorschütze Österreichs (44 Tore in 94 Länderspielen), sondern machte auch in der Bundesliga als Stürmer bei den Kölnern und bei Borussia Mönchengladbach von sich reden. Für die Kölner erzielte er zwischen 1993 und 1998 in 150 Bundesliga-Spielen 79 Tore und für die „Fohlen“ traf der sympathische Wiener von 1998 bis 2000 in 38 Partien in der 1. und 2. Liga 15 Mal. Im Trikot der „Geißböcke“ stieg Polster einst zur Ikone empor.

Im Ausland stand der heute 51-Jährige bei Austria Wien, Torino Calcio, FC Sevilla, CD Logrones und Rayo Vallecano sowie zum Abschluss seiner Karriere bei Austria Salzburg unter Vertrag. Polster wurde 1997 in Österreich zum Sportler des Jahres und zum zweiten Mal nach 1986 auch zum Fußballer des Jahres gewählt. Drei Mal wurde er in seiner Heimat Torschützenkönig,

Im Interview mit fussball.news spricht Polster über seine Profikarriere, seine Zeit als Manager, Österreichs Wunderjungen David Alaba – und verrät einen Traum.

fussball.news: In Gladbach kamen Sie trotz Ihrer Zeit beim FC gut an bei den Fans, oder?

Polster: Auf jeden Fall, das Feedback, das ich von den Fans beider Klubs bekam, war überragend und motivierte mich täglich mein Bestes zu geben. Ob als Spieler oder im Marketing.

fussball.news: Sie haben nach Ihrer Karriere bei der Borussia im Marketing gearbeitet. Wie groß war diese Herausforderung für Sie?

Polster: Die Herausforderung war riesig. Mit meinen Kollegen den neuen Borussia-Park 14 tägig auszuverkaufen, von neun Logen auf 40 Logen zu gehen und so das finanzielle Fundament für die Zukunft zu schaffen, gelang mehr als bravourös. Manager zu werden war mein Ziel. Und als 2004 die Heimat rief und ich die Chance bekam, bei Austria Wien Generalmanager zu werden, konnte ich nicht nein sagen. Bei Borussia gab es diese Möglichkeit leider nicht.


Toni Polster im persönlichen Interview mit MediaGroove


fussball.news: Können Sie sich eine Rückkehr zum 1. FC Köln oder zur Borussia vorstellen?

Polster: Immer. Ich trage diese beiden Klubs in meinem Herzen – für mein ganzes Leben! Jedes Wochenende warte ich auf die Ergebnisse und freue mich über die Erfolge der letzten Jahre.

fussball.news: Sie waren auch im Ausland. In Sevilla waren Sie einer der torgefährlichsten Stürmer der Liga. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Polster: Sehr positiv. Ich bin bester Torschütze Sevillas aller Zeiten und werde dort verehrt wie ein Außerirdischer.

fussball.news: Bei CD Logrones und Rayo Vallecano waren Sie jeweils nur ein Jahr, warum?

Polster: Ganz einfach, weil ich bei beiden Vereinen kein Geld für meine Leistungen bekam.


Welche Fan-Choreo Toni Polster am meisten beeindruckt hat


fussball.news: Ihre Trainerkarriere verlief bisher eher bescheiden. Bei Admira Wacker wurden Sie nach kurzer Zeit entlassen. Warum hat es als Trainer bisher nicht so geklappt?

Polster: Das ist so nicht korrekt, denn ich bin mit den LASK Amateuren aufgestiegen und Meister geworden. Mit Viktoria Wien habe ich zwei Mal die Meisterschaft gewonnen (u.a.Meister in der 4. Liga; Anm. d. Red.), wurde zwei Mal Cupsieger und habe einmal das Finale verloren. Bei Admira musste ich gehen, weil ich mir nicht die Aufstellung eines Sponsors diktieren ließ. Ich warte auf meine Chance und arbeite hart dafür.


Rekord-Torjäger Österreichische Nationalmannschaft (Quelle: transfermarkt.de / Grafik: fussball.news)

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fussball.news: Seine Chance genutzt hat „Wunder-Wutzi“ David Alaba. Ist er ein Segen für Österreich?

Polster: Ja, er ist unser Leader, unser Vorzeigeprofi. Was er jetzt schon in jungen Jahren erreicht hat, ist bemerkenswert.

fussball.news: Alaba hat schon oft betont, dass er viel lieber im Mittelfeld spielen möchte. Dort spielt er in der Nationalmannschaft. Wie schwer ist es für ihn das auch hinzubekommen bei Bayern?

Polster: Bei Bayern musst du spielen, wo dich der Trainer (Pep Guardiola, d. Red.) hinstellt. Aber das gute bei David ist, dass er auch alles spielen kann.


Andi Herzog witzelt über Toni Polster bei „Wir sind Kaiser“


fussball.news: Österreich ist bei der EM dabei. Was bedeutet das für Ihr Land und was kann das Team in Frankreich erreichen?

Polster: Endlich haben wir es geschafft. Das bedeutet, dass die Durstrecke vorbei ist. Wir können viel erreichen, haben eine machbare Gruppe, nur Deutschland, Frankreich und Spanien sind besser als wir.

fussball.news: Sie waren immer für Ihre gute Laune und positive Art bekannt. Würde Ihnen das anerzogen oder woher kam dieser wertvolle Charakterzug?

Polster: Selbst meine Blutgruppe ist positiv. (lacht) Harte Arbeit ist besser zu bewältigen mit Humor als ohne – und Fußball ist harte Arbeit. Mit guter Laune lässt es sich besser arbeiten.

fussball.news: Welche Träume und Wünsche hat ein Toni Polster noch?

Polster: Ich werde weiter als Trainer arbeiten, so lange es mir Spaß macht. Ich will Bundesliga-Trainer werden – und das wird bald passieren.

Das nächste Interview am Morgen folgt am Montag (8.2.2016).

Anmerkung der Redaktion: fussball.news veröffentlicht in der Regel von Montag bis Donnerstag jeweils um 6 Uhr das „Interview am Morgen“. Zu den Gesprächspartnern zählen aktuelle Bundesliga-Spieler ebenso wie ehemalige Spieler-Legenden oder Funktionäre und Experten. Bei Bedarf wird das exklusive Gespräch in einen Fließtext mit exklusiven Zitaten umgewandelt.

Über Reinhard Franke

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