Ramelow: „Vizekusen? Hatte mich irgendwann daran gewöhnt“ – Teil II

München – Bayer-Leverkusen-Legende Carsten Ramelow spricht im 2. Teil des Interviews mit fussball.news über die Chancen der Werkself auf den Meistertitel und über seine eigenen Zukunftspläne.

LEVERKUSEN, GERMANY - SEPTEMBER 15: Carsten Ramelow of Bayer Leverkusen celebrates with fans after the UEFA Champions League match between Bayer Leverkusen and Real Madrid at The Bayer Arena on September 15, 2004 in Leverkusen, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Carsten Ramelow bestritt neben 446 Pflichtspielen für Bayer Leverkusen zunächst 83 Einsätze für Hertha BSC. Foto: Stuart Franklin/Getty Images

TEIL 2

fussball.news: Wie sehen Sie Bayer Leverkusen, das unter Trainer Roger Schmidt eine tolle letzte Saison spielte, doch für einen Titel reichte es bisher nicht. Warum?

Ramelow: Generell denke ich, dass in Leverkusen der Erfolg immer da war. Der Verein war vor meiner Zeit erfolgreich, während meiner Zeit und auch danach. In Zukunft wird man weiter unter den ersten Fünf mitspielen. Ich habe das 13 Jahre erleben dürfen. Leverkusen ist wirklich eine top Adresse, aber ich glaube auch, dass ein bisschen mehr dazu gehört, den Meistertitel oder einen Pokal zu gewinnen. Man ist noch kein echter Konkurrent von Borussia Dortmund und Bayern München.

fussball.news: Was fehlt dem Verein?

Ramelow: Es fehlen drei, vier Spieler der Kategorie Ribery oder Robben. Wenn man angreifen möchte, dann muss man solch erfahrene Spieler und nicht die ganz jungen holen. Das gibt der Mannschaft die nötige Stabilität. Du brauchst solche Spieler und die haben die Dortmunder und die Bayern sowieso. Bayern München ist immer außen vor. Bayer Leverkusen wird leider auch die nächsten Jahre nur die Rolle als Dritter oder Vierter ausfüllen. Um wirklich mal die Schale nach Leverkusen zu holen, müssten die Bosse mutiger sein und richtige Kracher holen.

fussball.news: Die beiden Neuzugänge Kevin Volland und Julian Baumgartlinger sind keine Kracher?

Ramelow: Beide sind wirklich gute Spieler, aber auch mit ihnen wird nicht der ganz große Wurf gelingen. Der Trainer (Roger Schmidt, d. Red.) liefert exzellente Arbeit ab, mit ihm passt es einfach. Aber er kann auch nicht zaubern. Es gab in der vergangenen Saison auch mal eine schwierige Phase mit Schmidt, als er kurz vor dem Aus stand, doch die Verantwortlichen haben dieses kleine Tief sensationell gelöst.

Das müsste auch mal bei Transfers passieren. Das es schwer ist, international eine gute Rolle zu spielen, sieht man an Leverkusen immer wieder. Die Vorrunde kann Bayer eigentlich immer überstehen, aber um Europa, wie wir damals, mal wieder zu zeigen ‚hallo, hier sind wir wieder‘, das wird mit der jetzigen Mannschaft schwierig. Es fehlt dazu einfach das Geld für die ganz großen Spieler.

IBARAKI, JAPAN - JUNE 05: FUSSBALL: WM 2002 in JAPAN und KOREA, Ibaraki, 05.06.02/Match 17, GRUPPE E/DEUTSCHLAND - IRLAND (GER - IRL) 1:1, Carsten RAMELOW/GER, Damien DUFF/IRL (Photo by Gunnar Berning/Bongarts/Getty Images)
Carsten Ranelow bestritt 45 Länderspiele für Deutschland und wurde 2002 Vize-Weltmeister. Foto: Gunnar Berning/Bongarts/Getty Images

fussball.news: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Würden Sie nicht doch gerne mal einen Job bei Bayer übernehmen?

Ramelow: Momentan nicht. Natürlich soll man im Fußball niemals nie sagen und ich weiß auch nicht, was in meinem Leben noch passieren wird, aber in der näheren Zukunft habe ich keine Pläne in diese Richtung. Ich lebe im Hier und jetzt und habe viel zu tun, denn ich will unsere Firma weiter nach vorne bringen. Das ist ein Bereich, der mir Riesenspaß macht – und das ist das Wichtigste. Natürlich bin ich offen für alles, denn Bayer ist mein Verein. Aber mein Herz schlägt auch für Hertha BSC, weil ich Berliner bin. Für einen Job käme allerdings nur Leverkusen in Frage. Momentan ist der Verein aber sehr gut aufgestellt.

fussball.news: Es gibt in den vergangenen zehn Jahren außer Hans-Peter Lehnhoff, Rudi Völler und Rüdiger Vollborn nur wenige ehemalige Spieler in einer offiziellen Funktion im Verein. Bei Bayern München zum Beispiel ist das anders. Wie finden Sie das?

Ramelow: Das finde ich ein bisschen schade. Ehemalige Spieler wie Ulf Kirsten, Jens Nowotny oder ich waren Persönlichkeiten im Klub und könnten einiges bewegen. Es gibt viele große Themen wie Tradition, wo wir als Aushängeschilder des Vereins fungieren könnten. Aber das passiert einfach nicht. Ehemalige Spieler haben immer Potenzial, aber in Leverkusen sieht man das nicht so. Selbst Ulf hat aufgehört als Cheftrainer der Amateure. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.


YOUTUBE-Video transfermarkt.de: Die Traumelf von Carsten Ramelow


fussball.news: Wo landet Bayer Leverkusen in der neuen Saison?

Ramelow: Es wird so werden wie die vergangenen Jahre. Erst kommen die Bayern, dann Borussia Dortmund und dann neben einigen anderen Mannschaften Leverkusen. Zu meiner Zeit gab es vorne noch Bremen oder den Hamburger SV, die fallen jetzt leider weg. Da hätte jeder Meister werden können. Heute hat sich vieles verändert. Der VfB Stuttgart spielt leider in der 2. Liga. Die kleinen Vereine dagegen wie der FC Ingolstadt oder Darmstadt 98 finde ich klasse. Schalke erlebt gerade auch eine neue Phase mit neuem Trainer und Sportchef. Dort fehlt aber ähnlich wie in Leverkusen der letzte Punch für den ganz großen Schritt. Es gibt in der Vergangenheit keine Stabilität bei S04 und es sind zu viele Schwankungen drin. Spannend ist es nur unten im Abstiegskampf.

fussball.news: Was wünschen Sie Bayer?

Ramelow: Ich wünsche dem Klub nur das Beste. Ich habe dort tolle Menschen kennengelernt. Es ist ein top geführter Verein und ich drücke weiter alle Daumen. Vielleicht gelingt ja mal der ganz große Wurf mit einem Titel. Und ich würde mich am meisten freuen, wenn der Verein in der Champions League auch mal bis ins Viertelfinale oder Halbfinale vordringen würde. Das wäre klasse!

TEIL I DES INTERVIEWS MIT CARSTEN RAMELOW BEI FUSSBALL.NEWS FINDEN SIE HIER:

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