Reus nimmt sich Titel-Sammler Federer zum Vorbild

München – Marco Reus stand in der Hinrunde in 13 von 17 möglichen Bundesliga-Spielen auf dem Platz und unterstrich mit acht Treffern seine Bedeutung für Borussia Dortmund. Doch ständig wiederkehrende Probleme im Adduktorenbereich nach einem Muskelfaserriss verhinderten eine konstante Hinrunde. Im Jahr 2016 will Reus wieder voll angreifen und sich den Wunsch nach einem Titelgewinn erfüllen, wie er nun im Interview mit der Welt am Sonntag hervorgehoben hat.

DORTMUND, GERMANY - APRIL 04: Marco Reus of Dortmund runs with the ball during the Bundesliga match between Borussia Dortmund and FC Bayern Muenchen at Signal Iduna Park on April 4, 2015 in Dortmund, Germany. (Photo by Sascha Steinbach/Getty Images For MAN)
Marco Reus wechselte im Sommer 2012 von Mönchengladbach zu Borussia Dortmund. Foto: Sascha Steinbach/Getty Images For MAN

Wunsch: 2016 ohne Verletzung bleiben

„Ich möchte Fußball spielen, verletzungsfrei bleiben und zur EM nach Frankreich fahren. Dort möchte ich dann zeigen, was ich bei der WM 2014 nicht zeigen konnte“, erklärte Reus seine Motivationslage für 2016. Noch immer denke er an 2014 zurück, als er in der Vorbereitung zur WM einen Syndesmosebandanriss erlitten und  den Titelgewinn mit der Nationalmannschaft verpasst hatte. „Das war natürlich ein einschneidendes Erlebnis in meinem Leben. Diese Zeit bekomme ich nicht mehr zurück – und ich muss es so akzeptieren“, bedauerte Reus und sagte: „Ich glaube aber, dass ich das für mich ganz gut verarbeitet habe. Ich blicke nach vorne.“

Trotz einer holprigen EM-Qualifikation hält Reus die Möglichkeit auf den Gewinn des EM-Titels hoch, wenn das DFB-Team eine ähnliche Einstellung und Leistung an den Tag lege wie bei der WM 2014. „Wir sind immer mindestens ins Halbfinale gekommen. Das muss auch diesmal unser Ziel sein“, formulierte Reus das Mindestziel.

Tuchel hat viele Verändeurngen vorgenommen

Angesprochen auf die Entwicklung von Borussia Dortmund, hob der Regisseur hervor, dass sich unter Trainer Thomas Tuchel viele Abläufe verändert haben. „Nehmen Sie unser Trainingslager in Dubai: Nachdem wir das Training beendet hatten, sind wir nicht direkt zurück ins Hotel gefahren, sondern haben noch mindestens eine halbe Stunde lang aktiv Regeneration gemacht“, sagte Reus und ergänzte: „Wir haben auch die Ernährung umgestellt, haben einen eigenen Koch dabei. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen sind natürlich nicht sofort spürbar, aber auf Sicht vielleicht schon.“

Auch der Spielstil habe sich komplett gewandelt. „Wir haben mittlerweile viel mehr Ballbesitz“, so Reus, der ausführte: „Unserer Mannschaft tut das in ihrer Weiterentwicklung sehr gut. Wir hatten in der Hinrunde zwar auch einige Spiele, in denen es noch nicht so funktioniert hat. Dies hatte vielleicht damit zu tun, dass wir uns erst daran gewöhnen mussten. Doch Tuchels Ansätze haben uns deutlich weitergebracht. Wir haben im letzten Halbjahr in allen drei Wettbewerben zusammen 84 Tore geschossen, das ist europaweit ein Spitzenwert.“

Marco Reus will in der Rückrunde Vollgas geben. Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images
Marco Reus will in der Rückrunde Vollgas geben. Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images

Reus hofft auf Investitionen ins Team

Reus glaubt zudem, dass der BVB weiter in die Mannschaft investieren werde, um vorne mitzuspielen. Dazu zählten angestrebte Vertragsverlängerungen mit Stars wie Henrikh Mkhitaryan ebenso wie die Verpflichtung neuer Spieler. „Wenn der Verein das will, dann schafft er das auch. Wenn du oben sein willst, musst du in die Mannschaft investieren. Wir als Spieler wollen ganz nach oben, und wenn der Verein das auch will, besteht kein Zweifel daran, dass wir solche Spieler halten und andere gute Spieler verpflichten können“, sagte Reus, der mit dem BVB auf die Qualifikation für die Champions League hofft, um mit den Spitzenteams durch neue Einnahmen auch finanziell konkurrenzfähig zu bleiben.

Während Reus, anders als die Teamkollegen Aubameyang oder Mkhitaryan, keine Hoffnung auf den Meistertitel schürrte, peilt er jedoch mit dem BVB die Titel-Gewinne in den Pokal-Wettbewerben an. „Wir waren ja schon oft in Berlin im DFB-Pokalfinale, haben es in den letzten beiden Jahren leider nicht geschafft, den Pott zu holen. Wir werden alles daran setzen, dass es uns diesmal gelingt“, sagte Reus. In der Europa League wiederum müsse der BVB „ein anderes Gesicht zeigen“ als in einigen Gruppenspielen. Wenn eine Steigerung folge, dann könne Dortmund um den Pokal-Triumph mitspielen. „Wir sind schließlich Borussia Dortmund und einer der Favoriten“, betonte der 26-Jährige.

Er selbst habe nun oft genug in einem Finale gestanden, habe aber tatsächlich noch nie einen Titel gewonnen. „Verlorene Endspiele sind wie Verletzungen – sie passieren, und ich muss sie hinnehmen. Ich kann als Spieler alles geben – bis der Abpfiff ertönt. Und wenn es dann nicht gereicht hat, musst du dich fragen: Was kannst du verbessern? Woran lag es? Daraus musst du Schlüsse ziehen und es im nächsten Finale besser machen“, sagte Reus.

Als Mensch, betonte Reus darüber hinaus, habe er sich nicht verändert. „Ich glaube, wenn Sie sich mit Menschen unterhalten würden, die mich über viele Jahre begleitet haben, würden sie hören, dass ich immer noch der gleiche Mensch geblieben bin. Das ist mir auch wichtig!“, sagte Reus. Natürlich aber habe er dazugelernt und passe sich bestimmten Sitautionen an. „Doch ein anderer Mensch werde ich nie werden“, hob er hervor. Er bemühe sich, freundlich zu seinen Mitmenschen zu sein. „Ich bin dankbar für das Leben, das ich mittlerweile führen kann. Natürlich: Je bekannter du wirst, desto mehr Menschen wollen auch etwas von dir. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen“, führte Reus fort.

Wertschätzung für Götze

Seinen Kumpel Mario Götze vom FC Bayern lobte er in höchsten Tönen, die Wechselgerüchte um den Star des FC Bayern ließ er außen vor. „Mario ist ein Supertyp, der enorm professionell geworden ist und der aus den Situationen, die ihm widerfahren sind, auch gelernt hat. Er wird schon die richtige Entscheidung treffen“, war sich Reus sicher, der Götze zudem in der Öffentlichkeit noch zu gering wertgeschätzt sieht: „Er ist noch jung, hat noch eine lange Karriere vor sich, obwohl er schon sehr viel geleistet hat. Ich finde, dass dies häufig zu wenig gewürdigt wird.“

Außerhalb des Fußballs hat sich Reus einen Sport-Star zum Vorbild genommen: Tennis-Ass Roger Federer. „Der Mann spielt seit Jahren herausragendes Tennis auf einem unbeschreiblich hohen Niveau. Dabei ist er immer auf dem Boden geblieben. Dieser Typ ist einfach Wahnsinn. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn im Fernsehen sehe, und würde ihn gern einmal kennenlernen“, erklärte Reus. Federer hat in seiner Karriere bereits 17 Grand-Slam-Titel gewonnen – Reus will 2016 mit seiner Titel-Sammlung starten.

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