Revolution beim VfB Stuttgart

München – Nein, es geht nicht um eine Spieler-Revolte, dennoch hat es etwas Revolutionäres, was der VfB Stuttgart ab Montagabend startet. Die Schwaben treiben seit über zwei Jahren die Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Gesamtverein voran und gehen nun in die intensive Phase über. Ende Juni 2016 geht es dann ums Ganze: In einer Mitgliederversammlung wird final über das Projekt abgestimmt. Der Klub will ein positives Ergebnis erzielen und geht in die Vollen: Der VfB  reist durch Baden-Württemberg, um die Mitglieder basisdemokratisch in den Prozess einzubinden. Ziel ist es, Kapital für den Club einzuwerben.

Der VfB Stuttgart will die Profiabteilung auasgliedern und richtet sich dabei besonders nach seinen Mitgliedern. (Foto: Stuart Franklin / Getty Images)
Der VfB Stuttgart will die Profiabteilung ausgliedern und richtet sich dabei besonders nach seinen Mitgliedern. Foto: Stuart Franklin / Getty Images

„Einmalige“ Basisdemokratie in der Bundesliga

Basisdemokratie in der Fußball-Bundesliga – laut VfB Stuttgart ist das Projekt unter dem Slogan „GEMEINSAM erfolgreich Zukunft GESTALTEN“ ein „einmaliges“. Der Verein hat das Anliegen, die Mitglieder im Kollektiv in den „ergebnisoffenen Prozess“ der Ausgliederung der Profiabteilung einzubinden. Der gesamte Prozess bis zum Sommer lässt sich in drei verschiedene Schritte unterteilen.

Elf Regionalversammlungen im Bundesland

Der Verein hatte als erste Handlung durch eine Online-Umfrage für alle Mitglieder, sowie durch persönliche Interviews von Vertretern der Mitgliederschaft eine Situations-Analyse erarbeitet. Die Ergebnisse dieser Befragung werden ab Montagabend auf elf Regionalversammlungen in Baden-Württemberg vorgestellt und dabei weiter vertieft.

Gemeinsame Zukunftswerkstatt

Im Anschluss daran lädt der schwäbische Bundesligist auf der „Basis der bisherigen Ergebnisse alle Mitglieder ein, um gemeinsam die Zukunftsthemen des VfB Stuttgart zu erarbeiten“, äußerte Projektleiter Rainer Mutschler in einem vereinseigenen Video. Die Schlüsse dieser „Zukunftswerkstatt“ werden wiederum in den im Vorhinein besuchten Regionen präsentiert. Das finale Votum über die Ausgliederung der Profibereiche in eine Kapitalgesellschaft steigt dann Ende Juni.

Ultras: Thema heikel, dennoch erstes Lob

Diese transparente Darstellung sehen die ansässigen Ultras (Commando Cannstatt und Schwabensturm) als Grund für ein erstes Lob: Es gäbe „erfreulicherweise einige Fortschritte zu vermelden“, betonten die treuen Unterstützer des VfB am Montag auf ihrer Internetseite. Dennoch bleibt die Thematik heikel. Ein Punkt stößt den Fangruppierungen besonders auf: Die in der vorgeschlagenen Struktur der Vereinsführung zu besetzenden Posten im Vereinsbeirat. „Um es deutlich zu sagen: Wir ULTRAS streben keine Posten im Verein an.“ Sie sähen sich ausschließlich in der Funktion, den Verein zu unterstützen und die Entwicklung des Clubs kritisch zu beäugen.

Gegenstück zu „Stuttgart 21“?

Der VfB und seine Verantwortlichen gehen mit der demokratischen Berücksichtigung wohl offensichtlich vorsichtig vor, um Szenarien wie beim Umbau des Stuttgarter Kopfbahnhofes unter dem Projektnamen „Stuttgart 21“ zu verhindern. Dabei fühlten sich die Bürger von der Landespolitik überfahren – schwere Proteste und Demonstrationen waren die Folge.

Nur vier BL-Klubs zählen noch direkt zum Stammverein

Bislang ist die Profi-Abteilung des VfB in den Stammverein integriert. In der Bundesliga gibt es neben Stuttgart nur noch drei Teams (Schalke, Mainz, Darmstadt), die ebenfalls unter dem gemeinnützigen „e.V.“ firmieren. Das setzt allerdings manchmal finanzielle Handlungsschranken, die Stuttgart nun auflösen will. Den Lokalzeitungen nach soll sich der VfB nach einer geglückten Ausgliederung einen Finanzierungschub von bis zu 50 Millionen Euro erhoffen.

Doch zunächst will sich der Verein in basisdemokratischer Demut üben und die Fans für sein Anliegen gewinnen. Die Vorgehensweise wirkt jedenfalls für Bundesliga-Verhältnisse revolutionär, gab es doch in der Vergangenheit Fälle, bei denen sich ein Teil der Fans bei Vorhaben der Vereinsführung übergangen fühlten und zum Protest aufriefen (etwa Hamburger SV). In Stuttgart soll es dagegen keine Revolution von Außen geben – sondern eine von Innen.

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