Bundesliga

Sammer lobt Guardiola

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München – FC-Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer hat sich am Sonntagabend bei der Diskussionsrunde von Sky90 – die Kia-Fußballdebatte zu zahlreichen Themen wie den Abgang von Trainer Pep Guardiola im Sommer 2016 geäußert. Auch Ottmar Hitzfeld bezog Position. Die Aussagen im Überblick:

Matthias Sammer (Sportvorstand FC Bayern München) …

… zu Pep Guardiolas Entscheidung, den FC Bayern am Saisonende zu verlassen: „Wir haben wunderbar miteinander gearbeitet und werden das auch weiter tun. Aber man kommt irgendwann an den Punkt, an dem man die Dinge entscheiden muss. Das hat er getan und wir respektieren das total. Es ist schade, aber so ist der Fußball. Es ist immer ein Verlust, aber auf der anderen Seite haben wir die Verantwortung, dem Verein zu dienen und sofort zu schauen, was macht man strategisch.“

… zur Frage, was gefehlt hat, um Trainer Pep Guardiola zu halten: „Das kann ich nicht beantworten. Es ist seine Entscheidung. Ich kann nur nochmal betonen, wir haben und werden extrem vertrauensvoll zusammenarbeiten. Karl-Heinz Rummenigge hat sich klar geäußert, ich habe mich immer klar geäußert und wir haben versucht, das Vertrauen zu geben und ihm zu signalisieren, dass wir mit ihm den Weg weitergehen möchten. Aber wir waren auch Realisten. Als Verein muss man auf der einen Seite das Vertrauen signalisieren, aber auf der anderen Seite daran denken, dass wir dem Verein dienen und auch etwas vorbereiten müssen. Wenn die Aussage klar ist, dann kann man reagieren. Vorher haben wir das auch nicht getan, das gehört sich nicht.“

… zum Zeitpunkt der Entscheidung: „Es ist meine Überzeugung, dass Bayern München einen guten Trainer braucht. Aber was die Spieler in den letzten viereinhalb Jahren auch leisten, das ist aller Ehren wert. Es muss gelingen, den richtigen Zeitpunkt zu finden, dass Thema klar zu besprechen. Dann muss man sich aber wieder auf das Wesentliche konzentrieren und das sind die Spieler. Einerseits brauchen Vereine Planungssicherheit, auf der anderen Seite muss man auch dem Trainer das Gefühl geben und fragen, was empfindest du oder brauchst du noch ein bisschen Zeit. Ich finde, dass es vom Zeitablauf her perfekt gelungen ist.“

… zu Pep Guardiolas Verdiensten: „Jeder Trainer hat seine Philosophie und seine Denkweise. Das, was er auch für den deutschen Fußball gemacht hat, ist außergewöhnlich. Das müssen wir anerkennen. Ich möchte bitte nur eins. Das, was er leistet in seinem Fleiß, seiner Akribie und seiner positiven Verrücktheit, ist bitte diskutabel, aber gar nicht in Frage zu stellen. Wir Deutschen sollten irgendwann den Respekt aufbringen und anerkennen, was er geleistet hat. Das ist auch eine der Botschaften dieser Sendung für mich. Wir sollten das Positive in den Mittelpunkt stellen und er ist sehr positiv.“

… zu Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti: „Seine grundsätzliche Qualität hat eine Rolle gespielt. Vor drei Jahren hatten wir eine vergleichbare Situation. Damals habe ich in diesem Zeitraum nicht ein Wort über Pep Guardiola verloren. Genauso werde ich jetzt nicht über Carlo Ancelotti sprechen. Wir haben uns als Verein dazu geäußert. Wir haben bis Sommer mit Pep Guardiola zu gehen. Danach beginnt Carlo Ancelotti. Ich finde, es ist eine Frage des Respekts. Natürlich können das alle diskutieren, aber die aus dem Inner Circle haben sich jetzt dahingehend zurückzuhalten und alle Kraft dem unterzuordnen, was wir für die Rückrunde brauchen. Nämlich Spirit, Zusammenhalt und Geist. Und nicht Carlo Ancelotti, sondern Pep Guardiola.“

… zur Frage, ob es einen anderen Trainerkandidaten gab: „Nein, es ist unser absoluter Wunschkandidat gewesen. Kein anderer hat eine Rolle gespielt.“

… zur Frage, ob Guardiolas Entscheidung einen Einfluss auf die Leistung des FC Bayern in der Rückrunde haben wird und er eine „Lame Duck“ ist: „Können Sie sich wirklich vorstellen, dass bei Bayern München irgendeiner in diesem Verein auch nur eine Sekunde nachlässt, um die Ziele zu gefährden. Das können Sie komplett vergessen. Deshalb können Sie den Begriff aus ihrem Repertoire streichen und alle anderen gleich mit. … Wir dürfen nicht wegen der wichtigen Personalie eines Trainers die Gesamtdynamik des FC Bayern in Frage stellen. Es ist ein Gebilde von allem. Der Trainer hat einen wichtigen und wesentlichen Anteil. Auf der anderen Seite ist der Charakter der Mannschaft so fein und fantastisch, dass diese Diskussion überhaupt nicht aufkommen wird. Ich kenne die Mannschaft und bin jeden Tag bei ihr. Auch für mich ist es beeindruckend zu sehen, wie sie jeden Tag im Training arbeitet. Diese Diskussion gibt es für mich daher in der Praxis nicht.“

… zur Ärzte-Diskussion beim FC Bayern: „Es ist kein ernstes Thema und es ist auch völlig übertrieben. Es hat natürlich aber immer gewisse Motive. Wir haben jetzt einen Verletzten nach dem anderen gehabt. Alle arbeiten für den Erfolg des FC Bayern. Der Trainer genauso wie auch der Arzt, der dann auch ein Stück weit Entscheidungen mittreffen muss. Das muss man gemeinsam besprechen. Ich sehe immer mal eine Diskussionsgrundlage, die man moderieren muss. Dafür bin ich ja da. Dementsprechend haben wir diese Thematik nicht.“

… zur Personalie Granit Xhaka: „Er hat eine gute Qualität und hat sich sehr gut entwickelt. Natürlich ist er in einem Dunstkreis, aber ich habe lediglich gesagt, dass er ein guter Spieler ist. Dann war er
gleich mit Bayern München in Verbindung. Das hat mich auch gewundert.“

… zur Frage, ob Stefan Effenberg die Wende in Paderborn hinbekommt: „Er muss die richtigen Hebel finden, die Ruhe behalten und mit dem Verein analysieren. Stefan hat Qualität und ist analytisch sehr stark. So habe ich ihn kennengelernt. Ich drücke ihm die Daumen und bin überzeugt, dass er es schafft.“

Sky Experte Ottmar Hitzfeld …

… zu Pep Guardiola „Pep Guardiola hat einen klaren Plan. Ich habe gelesen, dass er einen Fehler bei Barcelona gemacht und vier statt drei Jahre geblieben ist. Das hat mich gewundert und daran habe ich eine Tendenz erkannt, dass Guardiola wahrscheinlich nicht verlängern wird. Pep Guardiola ist ein wahnsinnig akribischer Trainer, der ja fast ein Fanatiker ist. Er ist ein Revolutionär, der den Fußball mit dem Kombinationsspiel und dem vielen Ballbesitz fast neu erfunden hat. Ich glaube, dass er unglaublich aufwendig arbeitet und die Nerven auch eine Rolle spielen. Es ist ein unglaublicher Verschleiß für ihn und ich weiß nicht, wann er abschalten kann. Ich finde, er macht fantastische
Arbeit. Aber er muss sich auch mal zurücknehmen können, um zu regenerieren. Ich bin gespannt, ob er gleich wieder wechselt oder wie nach Barcelona eine Pause einlegt.“

… zu Pep Guardiolas Verdiensten: „Ich habe bedauert, dass Pep Guardiola aufhört. Ich habe gehofft, dass er bei den Bayern weitermacht. Er ist der Architekt des Erfolges und hat die Mannschaft
weiterentwickelt. Dazu hat er auch für den deutschen Fußball viel gemacht und großartige Arbeit geleistet.“

… zu Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti: „Mit Ancelotti kommt natürlich ein Welttrainer, der die Champions League dreimal gewonnen hat und in vier Ländern Meister war. Er ist ein zurückhaltender Typ, der aber auch offen und herzlich ist. Er ist ein großer Taktiker und er ist nicht so ein Fanatiker und von seinem System so total überzeugt wie Guardiola. Er kann auch mal defensiver spielen.“

… zu Ancelottis Qualitäten: „Ancelotti passt perfekt zu Bayern München wegen seiner Erfolge und seiner menschlichen Ausstrahlung. Das ist für Bayern München auch sehr wichtig, dass man nicht nur Trainer hat, die erfolgreich sind, sondern auch Ausstrahlung haben.“

… zu seiner Zeit beim FC Bayern: „Meine sechs Jahre bei Bayern waren wie 20 Jahre bei einem anderen Bundesligaklub.“
… zur roten Karte für Granit Xhaka: „Das ist unverantwortlich der Mannschaft gegenüber. Er ist ein Fighter und leicht reizbar. Vielleicht überschätzt er seine Rolle, die er auch spielen muss. Er wird öffentlich als Aggressiv-Leader dargestellt. Aber er ist ein toller und genialer Spieler, der daraus seine Lehren ziehen wird. In der Rückrunde wird ihm das nicht mehr passieren.“

Über Sebastian Voichtleitner

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