Steubing: Frankfurter Identifikationsdebatte – „Offensichtlich ist der Ruf des Geldes stärker“

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Nach dem Abgang von Bastian Oczipka wächst im Umfeld von Eintracht Frankfurt die Sorge über eine Entfremdung der Mannschaft. Ist das Team von Trainer Niko Kovac zu „Multi-Kulti“? Sechs der acht Neuzugänge kommen aus dem Ausland – und mit Jetro Willems steht der nächste vor einem Wechsel nach Frankfurt. Die Verantwortlichen wehren sich allerdings gegen den Vorwurf der fehlenden Identifikation.

Aus Frankfurt für fussball.news berichtet Christopher Michel

Der Ruf des Geldes…

Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing sagte dazu im kicker: „Ich hätte auch gerne zwei, drei Figuren, die gut sind und mit denen sich die Kurve identifiziert. Aber wenn es nicht so ist muss ich damit leben. Wir haben niemanden weggeschickt.“ Oczipka sei, wie zuvor schon andere Akteure, den finanziell lukrativeren Angebot aus Schalke gefolgt: „Offensichtlich ist der Ruf des Geldes stärker.“

Jung-Anekdote

Der Börsen-Guru, der als kleiner Junge schon die Spiele der Eintracht besuchte, hatte ein Beispiel aus dem Jahr 2014 parat. Damals wechselte Sebastian Jung für ungefähr 2,5 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg. Die Frankfurter wollten ihn mit allen Mitteln halten und als Kapitän zum neuen Gesicht aufbauen. „Aber da hat der Vater gesagt, dass er mit der Gehaltsdifferenz zwischen Frankfurt und Wolfsburg in Königstein eine Straße kaufen kann. Dann war die Identifikation in Wolfsburg“, untermauerte Steubing seine Theorie.

Wenn die großen Teams anklopfen…

Ein Gesicht kann so lange gehalten werden, bis es für Vereine wie Frankfurt, den SC Freiburg oder Hertha BSC zu teuer wird. Sportvorstand Fredi Bobic sagte bei einer kleinen Presserunde zuletzt: „Wir müssen für die Spieler der zweite und nicht der letzte Schritt sein.“ Sprich: Wenn sich die erfahrenen Leistungsträger gut entwickeln, wird es bei Angeboten aus Leverkusen, Schalke, München oder Dortmund ganz schwer, sie zu halten.

Steubing: „Truppe muss für fußballerischen Erfolg stehen!“

Steubing sieht diese Tatsache ganz pragmatisch: „Die Truppe muss für fußballerischen Erfolg stehen. Sie steht aber nicht mehr für einzelne Figuren, die der Held sind. Das fehlt momentan.“ Alex Meier ist verletzt und nähert sich mit fast 35 Jahren dem Karriereende zu, Stefan Aigner verließ den Klub vor einem Jahr, jetzt Oczipka und womöglich noch Torhüter Lukas Hradecky. Die Liste derer, an denen sich die Fans halten können, wird vermutlich kürzer. Doch ist dies wirklich so?

Eintracht wurde für „Multi-Kulti-Truppe“ letztes Jahr gefeiert

Letzten Winter war eine ganze Region stolz auf die Frankfurter „Multi-Kulti-Truppe“. Omar Mascarell, Ante Rebic, Jesus Vallejo oder Marco Fabian sorgten für Entzücken, von einer Entfremdungsdebatte war das Umfeld ganz weit entfernt. Der sportliche Erfolg gab den Bossen Recht, auch wenn in der Rückserie ein Einbruch erfolgte. Dennoch: Die Namen Mascarell oder Fabian waren deutlich häufiger in den Blöcken zu lesen, als etwa der von Oczipka.

Für was stehen die anderen Teams?

Sportvorstand Fredi Bobic sah bei Bild keinen Anlass, diese Debatte weiter zu führen: „Spieler wechseln eben schnell von A nach B. Das ist normal in diesem verrückten Geschäft, dass die Gesichter sich in den Mannschaften ändern. Das ist bei anderen Teams genauso. Für was stehen denn die dann?“ Übrigens: Beim Testspiel FC Schalke 04 gegen den SC Paderborn standen am Samstagnachmittag mit Ralf Fährmann und Daniel ebenfalls nur zwei deutsche Akteure dem Feld. Es zeigt sich: Diese Debatte zielt in die völlig falsche Richtung. Denn: Eine Mannschaft mit acht Inländern in der Elf wird nach fünf Niederlagen in Folge genauso gnadenlos ausgepfiffen wie ein Team besetzt mit zehn ausländischen Spielen.

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