Trapp auf den Spuren von Beckenbauer

MEINUNG – Zahlreiche Bundesligisten wie der FC Bayern München müssen derzeit Kritik aushalten, weil sie ihre Winter-Trainingslager in Regionen durchführen, in denen die politischen Verhältnisse und Werte kaum demokratischen Grundsätzen entsprechen: Peitschenhiebe statt Meinungsfreiheit, Unterdrückung statt Emanzipation der Frau und in weiten Teilen katastrophale Arbeitsbedingungen mit gelegentlicher Todesfolge zählen laut freien Berichterstattern und Menschenrechtsorganisationen zu den Kennzeichen von Ländern wie Katar. Dort haben die Münchner ihr Camp abgehalten, weil offenbar wirtschaftliche Expansion Vorrang vor politischem Feingefühl erhalten hat.

Internationale Top-Klubs paktieren ganz ungeniert

Darüber kann man den Kopf schütteln, noch schlimmer geht es allerdings bei einigen internationalen Top-Klubs zu, die viel ungenierter mit den in der Kritik stehenden Staaten paktieren. Champions-League-Sieger FC Barcelona etwa hat sich bis 2012 auf dem Trikot für die Rechte der Kinder eingesetzt und das Logo des Kinderhilfswerk UNICEF getragen. Nun prangt auf der Barca-Brust das Logo von Qatar Airways. Der staatlichen Fluggesellschaft aus Katar wird laut dem Online-Lexikon wikipedia vorgeworfen, Flugbegleiterinnen, die schwanger sind, fristlos zu kündigen.

Paris Saint-Germain wiederum hat mit Nasser El Khaleifi einen als sympathisch geltenden Klubbesitzer, der als enger Vertrauter der Königsfamilie von Katar gilt. Im Sommer 2015 hat PSG den deutschen Keeper Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt verpflichtet und ging nun mit dem 25-Jährigen und dem ganzen Team auf Werbe-Tour – natürlich in Katar. Die französische Sportpresse begleitete die Tournee wohlwollend, Paris gewinne eine riesengroße Fan-Gemeinde hinzu, hieß es sinngemäß.

Trapp auf Werbe-Tour in Katar

Und Trapp wiederum machte bei der Werbe-Tour kräftig mit und gab einem Online-Dienst (sc.qa) aus Katar nun ein Interview. Dabei erklärte er zunächst, dass es für ihn im Sommer einen Riesen-Sprung bedeutet habe, von einem traditionsreichen, aber mittelklassigem Team (Eintracht Frankfurt) zu einer Mannschaft zu wechseln, die um Titel mitspiele.

114 Bundesligaspiele bestritt Kevin Trapp für Kaiserslautern und Frankfurt. Im Sommer wechselte er nach Paris. Foto FRANCK FIFE/AFP/Getty Images
Menschenrechte in Katar? – einfach mal weghören, Kevin Trapp. Foto FRANCK FIFE/AFP/Getty Images

Erbe von Neuer?

Dann traf Trapp eine sportlich relativ überraschende Aussage. „Es ist mein Traum, mit Deutschland die WM in Katar zu spielen“, sagte er da. Sprich: Er erhob den Anspruch, Nachfolger von Manuel Neuer im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu werden. Nun dürfen Torhüter selbstbewusst sein, Trapp aber steht eigentlich kurz vor einem Karriere-Knick. Er hat in Paris sich noch nicht die Fähigkeit eines Spitzen-Torhüters angeeignet. Man bekommt wenige Bälle aufs Tor – die muss er als Torwart aber halten. Trapp hatte zuletzt zahlreiche Patzer begangen, obwohl Paris die Ligue 1 noch mehr dominiert, als der FC Bayern die Bundesliga im Griff hat. Die Fans buhten Trapp im Dezember aus, die Medien ließen Umfragen laufen, in denen der Ersatz-Keeper Sirigu favorisiert wurde.

Macht Trapp noch ein, zwei schwere Patzer, gilt es unter Beobachtern in Frankreich als nahezu sicher, dass Trapp als Nummer eins nicht mehr zu halten ist. In so einer Zeit also den Anspruch zu erheben, die Nummer eins im deutschen Tor sein zu wollen, darf man mindestens als mutig bezeichnen.

„Gute Eindrücke von Katar“

Kaum besser sind nun seine weiteren Aussagen. Trapp ließ sich als Kronzeuge und Werbe-Botschafter eines „anständigen“ Staates Katar willfährig benutzen. „Meine Eindrücke von Katar sind sehr gut“, sagte Trapp etwa und führte aus: „Für uns gibt es perfekte Bedingungen, um uns auf die zweite Saisonhälfte vorzubereiten. Hier ist alles perfekt organisiert.“ Eine logische Aussage natürlich, weil der Keeper sich nicht die schlimmen Zustände in den Baracken der Bauarbeiter ansehen musste, sondern in einem noblen Trainingscamp logierte, „sehr gute Eindrücke“ eben. Menschenrechte? – kein Wort.

Die Aussage erinnert an die von Franz Beckenbauer. Der Kaiser sagte 2014: „Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Ich weiß nicht, woher diese Berichte kommen.“

„WM wird viel Spaß machen“

Trapp ließ jedoch noch weiter von ihm in Deutschland ungekannte Euphorie mit Blick auf die WM 2022 aufkommen: „Wenn man sieht, wie begeistert die Leute hier vom Fußball sind und man die Atmosphäre im Stadion miterlebt, dann kann man sich sicher sein, dass es sehr viel Spaß machen wird.“

Wenn Trapp auch in Deutschland noch etwas mehr die Werbe-Trommel für Katar rührt, dann dürfte es für ihn sicherlich bald auch mit dem Stammplatz in der Nationalmannschaft klappen – allerdings für die in Katar. Die Scheichs sollen schließlich – ähnlich wie im Handball – Ausschau halten nach guten Legionären für die WM 2022.

Anmerkung: Kommentare sind stets dem jeweiligen Autor zuzurechnen, sie stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar.

fussball.news ist Partner von Mein Sportradio

Diskutiere mit