Bundesliga

Eintracht in der Krise: Darum wackelt Vehs Job

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München – Die Stimmung bei Eintracht Frankfurt wird nach der 0:2 (0:0) Niederlage bei Hertha BSC Berlin am Mittwochabend immer frostiger. „Armin raus“ schallte es nach Abpfiff und dem Abrutschen auf Relegationsplatz 16 durch das weite Rund im Olympiastadion, 2.000 enttäuschte Anhänger ließen ihrer Enttäuschung freien Lauf. Es wird immer enger für den Rückkehrer, der im Sommer so hochambitioniert startete.

Eintracht rutscht auf Relegationsplatz ab

Bei Eintracht Frankfurt hängt der Haussegen mächtig schief. Die Hessen haben inzwischen so viele Baustellen geöffnet, dass keiner mehr weiß, wo mit dem Schließen überhaupt angefangen werden soll. Für den Anhang steht allerdings fest: Armin Veh muss weg, ansonsten kann der Abstieg nicht vermieden werden. Dem Trainer, der im Mai 2014 bei seinem Abschied noch frenetisch gefeiert wurde und mit Tränen in den Augen die große Eintracht-Fahne vor dem Fanblock schwenkte, wird der „turnaround“ nicht mehr zugetraut – und jetzt holt den 55-Jährigen auch noch die Vergangenheit ein.

Veh-Rücktritt in Stuttgart wurde in Frankfurt hämisch begleitet

Es war ein flapsiger Satz, der die Frankfurter Gemüter vor zwei Jahren mächtig erhitzte: „Ich möchte dem gegnerischen Trainer nicht mehr so oft zum Sieg gratulieren müssen.“ Der Wechsel zum VfB Stuttgart sorgte für große Verwunderung – doch die kurze Episode bei den Schwaben endete schon nach zwölf Spielen mit dem freiwilligen Abgang. Vehs Begründung: „Uns und mir fehlte einfach auch das notwendige Quäntchen Glück in vielen knappen Spielen.“

Rückkehr spaltet das Fanlager

Die Rückkehr im Juni 2015 spaltete sofort das Fanlager. Auf der einen Seite waren diejenigen, die permanent auf die erfolgreiche Zeit unter dem Coach verwiesen und ihn gerne wieder am Main begrüßten – auf der anderen Seite gab es die Kritiker, die ihm die damaligen Worte nicht verziehen und ihn auch fachlich für nicht mehr „up to date“ hielten.

Eintracht taumelt dem Abstieg entgegen

Nach einem guten Saisonstart mit sieben Zählern aus den ersten vier Partien konnte die „Anti-Veh-Seite“ zunächst beruhigt werden – doch in den letzten Monaten „hatten wir nicht mehr viel Grund zur Freude“, wie der Coach auf der letzten Pressekonferenz zugab. Die Eintracht gelangte in einen Abwärtsstrudel und peu a peu kamen die Symptome eines typischen Absteigers hinzu: Erst verletzten sich wichtige Spieler, dann verloren Leistungsträger ihre Form, in engen Spielen fehlte häufig das Glück bei den Schiedsrichter-Entscheidungen – und dann polterte Veh nach dem 0:0 gegen den Hamburger SV auch noch in Richtung eigenen Anhang, der die Leistung mit Pfiffen quittierte: „Dann sollen sie doch daheim bleiben.“ Die Entschuldigung folgte und konnte nur kurzzeitig für Ruhe sorgen.

Leistung in Berlin als Sinnbild für die Krise

Dabei war die Hoffnung vor der Partie in der Hauptstadt auch beim verletzten Luc Castaignos noch groß. Die Begegnung wurde dann allerdings zum Sinnbild für die schlechte Entwicklung des gesamten Vereins: Zunächst die Hiobsbotschaft mit Alex Meier, der verletzt ausfiel, dann ein schwacher Knut Kircher, der in den beiden entscheidenden Situationen patzte, dazu die völlig enttäuschend auftretenden Spieler wie Haris Seferovic, Szabolcs Huszti oder Stefan Aigner und zu guter Letzt das letzte Indiz dafür, dass Veh das Verhältnis zu den Fans, die ihren Unmut nun noch lautstärker äußerten, nicht mehr kitten kann.

Spielidee und Offensivkonzept fehlen

Es fehlen ein klares Offensivkonzept und eine Spielstrategie. Die Mannschaft verteidigt zwar solide, lässt aber nach vorne hin jegliche Ideen und Esprit vermissen. Dem Trainer ist es bis heute nicht gelungen, eine eingespielte Mannschaft, die sich in einem System wohlfühlt, zu finden.

Keller, Slomka, Schur – die Nachfolger werden bereits gehandelt

Wie fussball.news bereits berichtete, wird es für Veh deshalb immer enger. Die Partie gegen den FC Ingolstadt gilt als absolutes Endspiel für den Übungsleiter. Ob nach der neuerlichen Pleite noch früher gehandelt wird? Co- und U19-Trainer Alexander Schur sollte eigentlich langsam aufgebaut werden – möglicherweise bekommt er schon früher seine Chance, als geplant war. Die Namen von Mirko Slomka und Jens Keller, der als Spieler bei der Eintracht war und dort sogar die Kapitänsbinde tragen durfte, werden ebenfalls genannt.

Wer kommt bei Abstieg?

Die Idee, Ralph Hasenhüttl kommende Saison zu verpflichten, könnte bei einem Abstieg endgültig begraben werden. Auch andere, ambitionierte Trainer, würden sich höchstwahrscheinlich zweimal überlegen, ob sie den Dienst bei den Hessen antreten. Denn neben einer Spielidee oder einem Konzept auf dem Feld, fehlt auch noch immer der sportliche Leiter, der den Frankfurtern ab Sommer ein neues Gesicht verleihen soll. Doch wollen sich Christoph Metzelder und Christian Nerlinger, die heiß gehandelt werden, wirklich stellen? Es sind viele Baustellen, die geschlossen werden müssen. Quo Vadis Eintracht Frankfurt?

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Über Christopher Michel

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