Interview am Morgen

Vollborn: „Ich bin stolz auf die Entwicklung von Rene“

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Leverkusen – Lesen Sie im zweiten Teil unseres Interviews am Morgen mit Rüdiger Vollborn, was er über Rene Adler sagt – und welche Verhältnis Vollborn zu den Fans in Leverkusen pfelgt. (Hier geht es zum 1. Teil).

fussball.news: Kommen wir mal zu Ihrem heutigen Job. Seit 2012 sind Sie Fanbeauftragter in Leverkusen. Wie kam es dazu?

Vollborn: Es gab eine Schlüsselszene: In der Saison 2010/2011, vorletzter Spieltag gegen den HSV. Wir lagen 0:1 hinten und brauchten einen Sieg für einen festen Champions-League Platz, um nicht mehr zittern zu müssen. Und dann wurde es unruhig, auch bei den Zuschauern. Dann bin ich in der Halbzeit spontan zur Fankurve marschiert und habe mich auf den Zaun gestellt und habe mal „abgelassen“ (lacht). Habe mal gesagt, was ich davon halte, dass einen dieses Pfeifen nicht weiterbringt und die Mannschaft nur nervös macht. Nach dem Motto: Alle an einem Strang für die Champions-League.


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Das Spiel haben wir nicht gewonnen, aber wir haben dann alles am letzten Spieltag in Freiburg perfekt gemacht. Die Fans hatten jedenfalls die Mannschaft wieder unterstützt – und das hat den Herrn Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer 04 Leverkusen 2004-2013, d. Red.) wohl so beeindruckt und imponiert, dass er ein Jahr später angestoßen hat, als meine Knie gar nicht mehr wollten, dass ich diesen Job mache. Die Grundidee kam dabei allerdings aus der Fan-Szene selbst und dann habe ich es mal gemacht. In den ersten Wochen dachte ich auch ‚Was mache ich hier?’. Und dann langsam habe ich mich reingefühlt.

Ich hatte zum Beispiel gehört, dass die Ultras so schlimm sein sollen und mir dann gedacht, dass ich mir das mal persönlich anschaue und dann kam es zum Austausch. Da habe ich gemerkt, wenn man denen gegenüber ehrlich ist, ohne alles zu kapieren oder gutzuheißen was die machen, und man zeigt, dass man sie ernst nimmt, und das tue ich, dann kannst du jemand sein, der mit diesen Leuten durchaus Kontakt hält. Mit zwei Leuten schreibe ich fast regelmäßig E-Mails. Es wird sich dann zum Beispiel über diverses wie die „Schwadbud“ ausgetauscht.

fussball.news: Ist es da von Vorteil eine Vereins-Legende zu sein?

Vollborn: Jein. Es ist wie bei dem Job als Torwart-Trainer. Wenn man den Namen hat, ist es zuerst leicht. Und trotzdem werden die jungen Torhüter irgendwann merken: Du erzählst Mist – oder da steckt etwas Gutes dahinter. Das bekommen die relativ schnell mit. Je nachdem ist man dann obenauf oder untendruch. Ähnlich ist es jetzt bei den Fans oder Ultras auch. Bei den Fans sind es manchmal nur Fotos oder Sorgen anhören, eben Alltägliches mitzunehmen. Ultras sind Jungs und Mädels die den Verein leben, mehr als man sich als Außenstehender vorstellen kann.


Stationen und Erfolge von Rüdiger Vollborn als Profi:

  • 1981: Wechsel aus der Jugend von Blau-Weiß 90 Berlin zu Bayer 04 Leverkusen
  • 1982: Aufstieg in den Profi-Kader von Leverkusen
  • 13. August 1983: Debüt in der Bundesliga beim 1:2 bei Bayern München
  • UEFA-Cup-Sieger 1988
  • DFB-Pokal-Sieger 1993
  • Karriere-Ende im Juli 2000
  • Mit 401 Einsätzen in der Bundesliga ist er Rekord-Spieler von Leverkusen

Wenn man denen gegenüber authentisch rüberkommt und Ihnen nach einem Streitgespräch die Hand reicht, auch wenn man sich zuvor angeschrien hat, dann ist alles gut. Aber ja, es kann sein, dass man durch den Namen Rüdiger Vollborn vielleicht mal den Einen mehr beruhigt bekommt, oder mal ein Banner nicht hochgehalten wird. Aber sie machen schon ihr Ding – und wenn sie wirklich partout was durchziehen wollen, dann sagen sie mir nichts.

Für mich ist es nur wichtig, dass ich sie nie fallen lasse. Einmal wurde ich durch einen Alleingang von einem der Vorstandsleute sehr schwer enttäuscht, aber seitdem haben sie sich quasi an alles, was vereinbart wurde, gehalten. Ich auch, soweit ich das kann. Wenn ich mal zu früh geurteilt habe, dann sagen Sie mir das und in einigen Dingen haben sie auch Recht. Es besteht eine gegenseitige Akzeptanz.

fussball.news: Sie sagten mal in einem Interview, dass der Ausbau der Stehplätze hinter dem Tor sehr einschneidend für Sie war.

Vollborn: Das war eine Idee, die allein von den Ultras Leverkusen gekommen ist. In einem Treffen mit mir kam der Wunsch auf, den Stehplatzbereich zu vergrößern, um rein optisch größer zu wirken als der Gästeblock. Diese Idee ist gewachsen, auch durch eine Umfrage im Stadion, dann kam es zu einer Präsentation vor Herrn Holzhäuser und der sagte dann ‚Machen wir’. Uns ist die Kinnlade runter gefallen, weil wir nicht dachten, dass das so einfach gehen könnte. Mit meinen Kontakten innerhalb des Vereins konnte ich natürlich dann sehr hilfreich sein und das Perfekt mit dem Job des Fan-Beauftragten kombinieren. Die Ultras haben alles selbst ausgearbeitet und vorgetragen und das ist für mich noch heute eine Aktion, die zusammengeschweißt hat.

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