Warum Klopp nur halb Recht hat

München – Jürgen Klopp macht den Misserfolg der englischen Nationalmannschaft an zu viel Pflichtspielen auf der Insel fest. Statistisch ist dies kaum zu belegen, dennoch hat Klopp in gewissem Sinne Recht. Die Fakten.

SOUTHAMPTON, ENGLAND - DECEMBER 02: Jurgen Klopp manager of Liverpool looks thoughful prior to the Capital One Cup quarter final match between Southampton and Liverpool at St Mary's Stadium on December 2, 2015 in Southampton, England. (Photo by Michael Steele/Getty Images)
Trainer Jürgen Klopp gewann mit Borussia Dortmund zwei Mal die deutsche Meisterschaft. Seit Oktober trainiert er den FC Liverpool. Foto: Michael Steele / Getty Images

Über 40 Pflichtspiele im Regelfall

38 Spiele in der Premier League, dazu Liga-Pokal, Pokal, Europacup und Länderspiele: Jürgen Klopp ist überzeugt, den vergleichweise großen Misserfolg der englische Nationalmannschaft und der Top-Klubs auf der Insel erklären zu können. Es seien einfach zu viele Pflichtspiele, die die Top-Stars absolvieren müssten, so Klopp.

Statistisch lässt sich das zunächst kaum belegen. In Spanien, Italien und Frankreich stehen ebenso 38 Liga-Spiele auf dem Programm. Die Franzosen haben ebenfalls zwei Pokal-Wettbewerbe, in Italien und Spanien gibt es bei Unentschieden im Pokal auch – je nach Wettbewerb – Rückspiele. Die englischen Klubs müssen zudem nicht ab der ersten Runde in die Pokal-Runden einsteigen, wer Europacup spielt, der ist erst ab der 3. Runde gefordert.

England ist seit 1998 vier Mal nach Elfmeterschießen ausgeschieden

Bei der englischen Nationalmannschaft ist es wiederum so, dass sie seit 1998 bei vier großen Turnieren im Elfmeterschießen den Kürzeren gezogen hat. Elfmeterschießen ist eben auch ein Qualitätsmerkmal. Ausgeblendet wird auch, dass die Premier League die höchste Legionärsrate im internationalen Vegleich der Top-Ligen besitzt, Talente kommen demnach seltener zur Entfaltung.

Statistik: Legionärs-Anteil in den internationalen Top-Ligen (in%)

Grafik: fussball.news; Datenquelle: transfermarkt.de

Darum hat Klopp dennoch Recht

Warum Klopp dennoch irgendwie Recht hat: Die Intensität der Spiele ist in England am größten, das Spieltempo am höchsten, die Liga derzeit am ausgeglichensten. Dass ein Team mehrere Siege am Stück feiert, vielleicht auch noch mit vier oder mehr Toren Unterschied, gibt es – anders als in Spanien – in England nicht. Der Verschleiß für die Spieler ist trotz Rotation deutlich größer. Klopp hat also die Quantität mit der Qualität der Spiele offenbar etwas vertauscht, im Ergebnis könnte er dennoch Recht behalten. Wenn da nicht das Elfmeterschießen wäre…

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