Hoeneß überrascht mit Kritik an Tuchel
Der FC Bayern will künftig mehr Talente zu Top-Stars entwickeln. Laut Uli Hoeneß fiel womöglich auch deshalb die Entscheidung gegen Thomas Tuchel.
München – Im Bestreben, der finanzkräftigen europäischen Konkurrenz die Stirn zu bieten, plant der FC Bayern, seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Selbstverständlich schrecken die Münchner nicht vor kostspieligeren Transfers zurück, doch zugleich sollen verstärkt Nachwuchstalente zu Stars entwickelt werden. Dafür ist allen voran Sportdirektor Christoph Freund verantwortlich, der im Januar etwa die Verpflichtung des 16-jährigen Sturmtalents Jonah Kusi-Asare aus Schweden einfädelte.
Was Hoeneß vom zukünftigen Coach des FC Bayern erwartet
„Er hat für Red Bull Salzburg einen Transferüberschuss von über 600 Millionen Euro erwirtschaftet, das ist der Ansatz für Bayern. Freund kennt jeden guten jungen Spieler auf der Welt“, sagte Hoeneß auf einem Kongress der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Freitag. Der Ehrenpräsident betonte in diesem Zusammenhang, von einem Trainer zu erwarten, „dass er junge Spieler verbessert und sie auch mal in den Arm nimmt.“
Hoeneß-Kritik an Tuchel: „Meint nicht, dass er sie verbessern kann“
Diese Aussage führte wiederum zu kritischen Tönen, die Hoeneß über den scheidenden Chefcoach Thomas Tuchel anschlug. Wettbewerbsübergreifend haben in dieser Saison vier Spieler im Alter von unter 24 Jahren mehr als 1000 Einsatzminuten gesammelt, besonders Aleksandar Pavlović (1068 Minuten) gilt als Shootingstar des Jahres. In Bezug auf die Talente an der Säbener Straße habe Tuchel, dessen Verbleib von einigen Bayern-Fans gefordert wird, jedoch eine andere Einstellung. „Er meint nicht, dass er einen Davies, Pavlović oder Musiala verbessern kann. Wenn es nicht klappt, sollte man einen anderen kaufen. Ich meine, man sollte hart an ihnen arbeiten und ihnen Selbstvertrauen geben.“

Er wolle Tuchel keinen Vorwurf machen, betonte Hoeneß explizit, „er war häufiger bei mir zum Abendessen am Tegernsee, ich verstehe mich sehr gut mit ihm“. Dabei sollen die Musialas und Pavlovićs ein Aushängeschild des FC Bayern werden, während andere Vereine regelmäßig Transfers im oberen zweistelligen oder gar dreistelligen Millionenbereich tätigen.
Zudem hofft Hoeneß, mit Youngsters einen neuen Teamgeist zu entwickeln. „Bis vor ein, zwei Jahren lief alles glatt. Die Meisterschaften wurden relativ locker geholt, in der Champions League alle Vorrundenspiele gewonnen – da scheint eine gewisse Sattheit in den Verein eingedrungen zu sein. Wir hatten zu wenige junge, ehrgeizige Spieler, die von hinten nachgedrängt haben.“ Andernfalls holt die Konkurrenz den Rückstand auf - wie Bayer Leverkusen in dieser Saison. Welcher Coach für die Talente-Förderung zuständig sein wird, bleibt indes abzuwarten. Derzeit führt die Spur zu Ralf Rangnick, für den eine höhere Ablösesumme fällig werden könnte, als bisher gedacht.