Titelkampf

Doublekusen statt Vizekusen: Braucht Bayer 04 ein neues Patent?

Bayer Leverkusen gewann per Last-Minute-Treffer gegen den VfB Stuttgart. Foto: Getty
Bayer Leverkusen gewann per Last-Minute-Treffer gegen den VfB Stuttgart. Foto: Getty

Bayer 04 Leverkusen erreicht nach einem spektakulärem 3:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart das Halbfinale im DFB-Pokal. Die Rheinländer stehen vor einer historischen Saison.

Dramatische Niederlagen 2000 und 2002

Die älteren Leverkusen-Fans werden vielleicht ihre Hände über dem Kopf schlagen: 2002 spielte ihr Team ebenfalls lange Zeit eine fantastische Saison. Mit Trainer Klaus Toppmöller und Anführer Michael Ballack galt die Meisterschaft Wochen vor dem Saisonfinale als gesichert. Im DFB-Pokalendspiel sollte zudem Schalke 04 aus dem Weg geräumt werden. Und im Champions-League-Finale erhoffte man sich gegen ein alterndes Real Madrid eine Sensation. Am Ende blieb aber in allen Wettbewerben nur Platz zwei für die Werkself über. Gepaart mit der dramatisch verspielten Meisterschaft in Unterhaching im Jahr 2000 war der hämische Begriff "Vizekusen" geboren. Manager Reiner Calmund fand aber trotz der vielen Titelpleiten schnell zu seinem rheinischen Humor zurück und ließ "Vizekusen" patentieren. Und weil gerade Karnevalszeit ist, sei auch noch dieser Fun Fact nachgelegt: Im Jahr 2020 verlängerte Leverkusen dieses Patent um weitere zehn Jahre!

Doch womöglich kommen die Funktionäre der Bayer AG nun ins Grübeln. Denn schon kommende Woche könnten sie ein neues Patent anmelden: "Doublekusen"!

Bei allem Respekt vor den verbliebenen Teilnehmern im DFB-Pokal (Fortuna Düsseldorf und 1. FC Kaiserslautern aus der 2. Liga, 1. FC Saarbrücken aus der 3. Liga und Bundesligist Borussia Mönchengladbach): An Bayer Leverkusen als Sieger im DFB-Pokal führt kein Weg vorbei, wenn man nicht fest an ein Fußballwunder glaubt.

Noch unbesiegt in dieser Saison

Und auch in der Bundesliga wirkt das Team von Trainer Xabi Alonso enorm gefestigt. Individuell ist die Mannschaft des FC Bayern vielleicht etwas besser besetzt, in Sachen Taktik, Spektakelfußball, Effizienz und Teamgeist kann man aber durchaus Vorteile bei Leverkusen in dieser Saison erkennen. Ohnehin ist die Bundesliga bereits zum Titelzweikampf verkommen. Leipzig, Dortmund, Stuttgart und Frankfurt patzten zu oft, Leverkusen hat selbst auf Stuttgart als Drittplatzierten schon zwölf Punkte Vorsprung. Es bleibt nur noch Bayern München, das Leverkusen vom ersten Titelgewinn in der Bundesliga abhalten kann.

Am Samstag kommt es zum Topspiel zwischen Leverkusen und dem FC Bayern. Die Werkself geht mit zwei Punkten Vorsprung und dem Heimvorteil in die Partie. Bei einem Sieg für das Alonso-Team wären es fünf Punkte Abstand auf den seit elf Jahren in der Bundesliga thronenden Meister - bei dann noch 13 ausstehenden Partien. Für Leverkusen ist es die große Chance, die historische Schmach von 2002 zu tilgen und von "Vizekusen" zu "Doublekusen" zu werden. Das Problem ist bislang nur: Die Funktionäre haben diese große Chance offenbar noch nicht begriffen. Wortführer ist Trainer Xabi Alonso, der stets betont: Er denke noch nicht an das Saisonfinale im Mai und sehe Leverkusen noch nicht im Titelkampf. Womöglich besitzt der Spanier einen ähnlichen Humor wie Managerlegende Reiner Calmund.

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Daniel Michel  
07.02.2024