Wirbel um WM-Vergabe

"Vollständig daneben" - Streich verteidigt Beckenbauer

Christian Streich (Foto) verteidigt Franz Beckenbauer aufgrund der Vergabe der Heim-WM. Foto: Getty Images.
Christian Streich (Foto) verteidigt Franz Beckenbauer aufgrund der Vergabe der Heim-WM. Foto: Getty Images.

Nach dem Tod von Franz Beckenbauer wurde an seine Rolle bei der Vergabe der Heim-WM 2006 erinnert. Für Christian Streich, Cheftrainer des SC Freiburg, war diese Debatte von Beginn an überzogen.

Wird über Franz Beckenbauer gesprochen, dann erinnern die allermeisten Personen an seine Verdienste für den FC Bayern und den deutschen Fußball. Der einstige Weltklassefußballer führte die Nationalmannschaft im Jahr 1990 zum dritten WM-Titel und spielte als Präsident des Organisationskomitees eine entscheidende Rolle bei der WM im Jahr 2006.

Wirbel um Millionen-Zahlung

Die Vergabe des Turniers an Deutschland rückte Jahre später in den Fokus. Wie die Süddeutsche Zeitung schildert, tätigte der DFB im April 2005 eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an die FIFA. Der Weltverband habe die Summe an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet, womit ein Kredit von Beckenbauer über zehn Millionen Franken getilgt worden sei. Im Vordergrund stehe die Frage, weshalb Beckenbauer der Kredit gewährt worden und der Betrag an den katarischen FIFA-Funktionär Mohammed bin Hammam geflossen sei. Christian Streich echauffierte sich auf der Pressekonferenz des SC Freiburg vor dem Heimspiel gegen Union Berlin (Samstag, 15.30 Uhr) über das bis heute ungeklärte Kapitel, welches einen Schatten auf Beckenbauers Lebenswerk geworfen hat.

"Das war schrecklich, fand ich"

"Es war sehr extrem für ihn und aus meiner Sicht vollständig daneben. Alle wollten die Weltmeisterschaft in Deutschland, dann kam sie und wir haben gesellschaftlich brutal profitiert", verteidigte Streich Beckenbauer: "Niemand hat gedacht, dass es so etwas in Deutschland geben würde. Alle im Ausland haben gesagt: ‚So können die Deutschen doch gar nicht sein.‘ Der zweite Weltkrieg war dann doch nicht so lange her — Und dann war er der Schuldige. Das war schrecklich, fand ich."

"Damit ist über Franz Beckenbauer alles gesagt"

Darüber hinaus berichtete Streich von seiner ersten Begegnung mit Beckenbauer. Vor der Aufzeichnung der Fußball-Talk-Show Sky90 habe ihn der damalige TV-Experte in die Maske geschickt. "Ich habe mich nicht getraut, zu sagen, ich gehe nicht", erinnerte sich Streich. "Ich bin sofort in die Maske. Die Visagistin saß da und hat gesagt: ‚Der Mann, der Sie reingeschickt hat, ist der netteste Mann hier im Laden.‘ Damit ist über Franz Beckenbauer alles gesagt."

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Florian Bajus  
12.01.2024